Tuttifrutti

BISS-Geschäftsführerin
Karin Lohr
Foto: Sascha Kletzsch

Einmal im Monat treffen sich alle BISS-Verkäufer zu der Verkäufersitzung und einem gemeinsamen Frühstück. Die letzten Male haben wir dafür frischen Obstsalat gemacht aus Äpfeln, Bananen, Weintrauben, und am Schluss ein bisschen Zitronensaft dazu, damit die Früchte ihre Farbe behalten und appetitlich ausschauen. Von Birnen haben wir abgesehen, die sind erfahrungsgemäß zu hart oder schon matschig, obwohl so eine schöne, reife Birne geschmacklich gut in einen Obstsalat passen würde. Wer wollte, konnte einen Bio-Naturjoghurt dazu essen, die vollfette Variante, weil die schön geschmeidig schmeckt. Warum diese Mühe, werden sich manche fragen. In erster Linie soll es unseren Verkäufern gut schmecken und für Abwechslung im Angebot sorgen. Das ist für arme und benachteiligte Menschen nicht unbedingt eine alltägliche Erfahrung, denn sie essen viel zu häufig, was billig und einfach verfügbar ist und schnell satt macht. Das Zuviel an Zucker, Fett und Zusatzstoffen macht langfristig krank, wobei arme Menschen laut einschlägigen Studien gesundheitlich schlechter gestellt sind als diejenigen, die von Kindheit an im Elternhaus und in der Schule erfahren, wie es besser geht. Im Unterschied zu früher steht man beim Einkaufen einer enormen Menge an industriell produzierten Nahrungsmitteln gegenüber. Niemand kommt jedoch mit dem Wissen zur Welt, dass etwa eine mikrowellenfertige Rinderroulade auf dem Teller bei Weitem nicht so appetitlich aussieht, wie sie auf der Packung abgebildet ist. Verbraucherinitiativen wie Foodwatch fordern eine bessere Kennzeichnung, beispielsweise eine Lebensmittelampel auf jeder Packung, die auf einen Blick zeigt, wie es mit Fett, Salz oder Geschmacksverstärkern bestellt ist. Das hat die Lebensmittelindustrie durch massive Lobbyarbeit verhindert. Manchmal scheint es, als ob nicht nur die Tiere in dem System der Massenproduktion für maximalen Profit ausgebeutet werden, sondern auch die Menschen, die erst die Produkte kaufen und danach die Medikamente, die gegen die Folgen von Fehlernährung helfen sollen. In unserer Kolumne „Was uns verbindet“ auf Seite 5 hat das Ulrike Mascher, die Präsidentin des Sozialverbandes VDK, auf den Punkt gebracht. Sie sagt, dass Politik in Wirklichkeit unser Leben bestimmt und deshalb auch so wichtig ist. Das finden wir auch, weil Politik den verbindlichen Rahmen setzt, der insbesondere die Schwächeren schützt. Handeln und entscheiden tun die Menschen dann selbst. Wie beim Obstsalat, vielleicht beim nächsten Mal mit ein paar Granatapfelkernen oder einem Minzblatt?

Herzlichst

 

 

Karin Lohr, Geschäftsführerin