Alles neu

BISS-Geschäftsführerin Karin Lohr Foto: Sascha Kletzsch

BISS-Geschäftsführerin
Karin Lohr
Foto: Sascha Kletzsch

Das neue Jahr fängt auch dieses Mal am 1. Januar an, obwohl so ein Neuanfang in einem wärmeren und schöneren Monat, als es der Januar erfahrungsgemäß ist, viel einfacher wäre. Nicht ohne Grund heißt es nicht „Alles neu macht der Januar“, sondern eben „der Mai“, auf den man sich jetzt schon freuen kann, was leider die Angelegenheit nicht wesentlich beschleunigt. Zur Überbrückung der kommenden Wintermonate, so glaubt man gerne, tragen gute und vernünftige Vorsätze bei. Viel geeigneter dafür wären jedoch Pläne für schöne Reisen, abenteuerliche Vorhaben und überhaupt für solche Projekte, die eine Herausforderung sind, weil für alle Beteiligten etwas ganz Neues beginnt. So ist unsere BISS-Wohngemeinschaft, über die wir in dieser Ausgabe ausführlich berichten, nicht nur irgendein neues Projekt für BISS, sondern eine Herzensangelegenheit, bei der sich alle Akteure wünschen und nach Kräften bemühen, dass sie sich gut entwickeln wird. Am 1. November letzten Jahres sind zwei ehemals obdachlose BISS-Verkäufer in eine 3-Zimmer-Wohnung eingezogen, die von der Stiftung BISS gekauft und zu diesem Zweck vermietet wurde. Ein weiterer, ebenfalls vorher obdachloser Verkäufer kam einen Monat später hinzu, sodass es mittlerweile drei Herren sind, von denen jeder ein eigenes Zimmer bewohnt und sich mit seinen Mitbewohnern Bad und Küche teilt. Dank großzügiger Förderer konnte die Wohnung günstig erworben, hochwertig eingerichtet und wohnlich ausgestattet werden, damit sich die neuen Bewohner vom ersten Tag an wohlfühlen können. Unser Kooperationspartner, das H-Team, begleitet gemeinsam mit dem BISS-Sozialarbeiter die drei Herren unbürokratisch bei allem, was bei so einem Neustart notwendig ist: z.B. die Anmeldung beim KVR, die Pflege der gemeinschaftlich genutzten Räume sowie das Einrichten eines Dauerauftrags für die Mietzahlung. Geplant ist, dass unsere Verkäufer innerhalb eines Jahres in den sogenannten normalen Wohnungsmarkt überwechseln, wenngleich die hohen Mieten auf dem Münchner Wohnungsmarkt längst jede Normalität verloren haben. Projekte wie dieses sind bitter notwendig, denn sie bringen Menschen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten von der Straße weg. Dass das Ganze nicht konfliktfrei verlaufen wird, ist nicht nur jenen Menschen bewusst, die irgendwann in ihrem Leben selbst in einer Wohngemeinschaft gelebt haben. Wir haben es gewagt, weil es in bestimmten Situationen notwendig ist zu handeln, auch wenn noch nicht jedes Detail festgelegt ist, und weil vom Diskutieren allein nichts vorangeht. Ihnen, liebe BISS-Leser, wünsche ich ein gutes neues Jahr, Courage und Glück bei Ihren Vorhaben!

Herzlichst

Karin Lohr 1

 

 

 

Karin Lohr, Geschäftsführerin