Versprochen!

BISS-Geschäftsführerin
Karin Lohr
Foto: Sascha Kletzsch

BISS – Bürger in sozialen Schwierigkeiten e.V. ist 1993 aus einem kleinen Kreis engagierter Leute entstanden. Damals konnte keiner von ihnen wissen, wie sich das Projekt auf lange Sicht entwickeln würde. Trotzdem haben sowohl die Gründer als auch alle diejenigen, die in den folgenden 25 Jahren dazu beitrugen, ihre Kenntnisse und ihre Kraft zum Wohle von BISS und seiner Verkäufer eingebracht. Kaum einer hat eine Kosten-Nutzen-Rechnung angestellt, ob sich das denn lohne, diese Anstrengungen zu unternehmen, wo man doch nicht wissen kann, ob der arme und obdachlose Mensch, dem sie gelten, tatsächlich wieder auf die Beine kommen wird. Doch nur so konnte es funktionieren, denn wer konsequent anstatt in Almosen in die Verbesserung der Lebensverhältnisse benachteiligter Menschen investiert, hat langfristig Erfolg. In den vergangenen 25 Jahren hat BISS nicht nur fast 1000 meist obdachlosen Verkäufern in ihrer existenziellen Not geholfen, sondern auch ebenso vielen anderen armen und hilfebedürftigen Menschen, sei es einer alleinerziehenden Mutter, einem Asylbewerber in der Ausbildung oder einem ehemals selbstständigen Autohändler, der nach einer psychischen Erkrankung sein Leben ganz neu aufbauen musste. Ja, es ist so, dass die Welt in den letzten 25 Jahren nicht gerechter geworden ist. Die Verteilung von Vermögen zugunsten weniger Reicher und zulasten vieler Armer hält an. Zu dieser Umverteilung von unten nach oben tragen auch die enorm gestiegenen Bodenpreise bei, deren Explosion die Politik noch nicht wirksam hat stoppen können. Und doch ist es keine Alternative, zu resignieren und aufzugeben. Wenn sich jeder von uns an seinem Platz und nach seinen Möglichkeiten für eine demokratische und solidarische Gesellschaft einsetzt, macht das in der Summe einen großen Unterschied. Wir sind viele, und das lässt uns vertrauensvoll in die Zukunft schauen. BISS dankt allen denjenigen, die die Arbeit des Vereins in den vergangenen 25 Jahren unterstützt haben. Zu diesem großartigen Netzwerk gehören unsere Spender, die persönlichen und allgemeinen Paten, die Anzeigenkunden, die Ehrenamtlichen und nicht zuletzt die Käufer und Leser der Zeitung. Wir BISSler werden uns auch in den nächsten 25 Jahren für gerechte Lebensverhältnisse für alle Menschen einsetzen und dafür, dass jeder eine echte Chance hat auf ein Dach über dem Kopf, gesundheitliche Versorgung und Bildung. Versprochen!

Herzlichst

 

 

 

Karin Lohr, Geschäftsführerin
P.S. Und wenn Sie wissen wollen, wie das Foto auf dem Cover zustande kam, fragen Sie den Verkäufer Ihres Vertrauens!

Die Richtigen

BISS-Geschäftsführerin
Karin Lohr
Foto: Sascha Kletzsch

Wenn ich mich an die Stimmung bei bayerischen Landtagswahlen im letzten Jahrhundert erinnere, hat man sich unter Wählern auf die Frage, wen man denn wählen würde, gern mit einem Augenzwinkern zu verstehen gegeben, dass es schon „die Richtigen“ wären. Es gab unter den Zwinkerern nicht den geringsten Zweifel, dass das nur die CSU sein konnte, was den Bayern damals Wahlergebnisse wie den Russen heute bescherte. Allerdings gab es auch früher schon Abweichler wie meinen längst verstorbenen Großvater, der, obwohl weder Zahnarzt noch Unternehmensberater, nach eigenem Bekunden mindestens einmal FDP gewählt hat. Was ihm heute sicher nicht mehr passieren würde. Aus meinen früheren Zweifeln an der CSU und deren Politik ist mit unserem Vorhaben Hotel BISS fast Verzweiflung geworden. Von 2001 bis 2011 hat sich der gemeinnützige Verein BISS darum bemüht, das ehemalige Frauengefängnis am Neudeck 10 von seinem Besitzer, dem Freistaat Bayern, zu kaufen. Wir wollten das denkmalgeschützte Gebäude in ein erstklassiges Hotel zum Zweck der Ausbildung von benachteiligten jungen Erwachsenen umwandeln. Die bayerische Regierung, bestehend aus CSU und ein bisschen FDP, jedoch schlug die Immobilie 2011 in einem Bieterverfahren einem kommerziellen Investor zu (siehe Seiten 22 bis 24). Der damalige Finanzminister Markus Söder antwortete auf eine Anfrage der Stiftung BISS zum tatsächlich bezahlten Kaufpreis, man könne keine Auskunft geben, weil man nicht „vom Schutzgedanken gegenüber dem Vertragspartner“, also dem Käufer abweichen wolle. Schutzbedürftig sind jedoch nicht Investoren, sondern die Menschen, darunter vor allem diejenigen, die sich aus unterschiedlichen Gründen nicht selber helfen können. Der bayerische Staat ist ein Rechts-, Kultur- und Sozialstaat, der dem Gemeinwohl dient. Das bestimmt die bayerische Verfassung. Wir BISSler haben also begründete Zweifel, dass sich die bayerische CSU- Regierung wirklich mit aller Kraft anstrengt, die Lebenschancen von ärmeren und schwächeren Menschen im Freistaat zu verbessern. Nicht Almosen sind gefragt, sondern die berühmte Hilfe zur Selbsthilfe, die bewirkt, dass jemand irgendwann einmal wieder ohne Unterstützung seinen Weg machen kann. Die „Richtigen“ unter den zur Wahl stehenden Politikern können also nur solche in Bayern sein, deren Handeln dazu führt, dass jeder Mensch einen Platz hat in der Gesellschaft, mit einem Dach über dem Kopf und Arbeit. Das Ziel sind gerechte Lebensverhältnisse für alle, dafür machen wir uns stark.

Herzlichst

 

 

 

Karin Lohr, Geschäftsführerin

Auf der Zielgeraden

BISS-Geschäftsführerin
Karin Lohr
Foto: Sascha Kletzsch

Bei Projekten, die einen langen Vorlauf und zunächst ein ungewisses Ende haben, gibt es erfahrungsgemäß einen Moment, in dem man realisiert, dass jetzt die damit verbundenen Wünsche und Erwartungen tatsächlich in Erfüllung gehen. Bei unserem Projekt zum 25-jährigen Jubiläum von BISS, der Errichtung eines Kunstwerks auf dem Wittelsbacherplatz, gab es für mich einige solche Momente, aber einer wird mir ganz besonders in Erinnerung bleiben: als der Bauleiter der Firma Lutzenberger, die die Kunstskulptur errichtet (siehe Seiten 20 und 21), präzise im Lageplan markierte, wo die Zufahrt auf die Baustelle erfolgen soll – im Herzen der Stadt. Damit wird wahr, wofür sich ein großartiges Team zwei Jahre lang engagiert eingesetzt hat: BISS hat die Chance, an einem prominenten Ort von 30. Juni bis 13. Oktober mit der Stadtgesellschaft über die Ursachen von Armut und Obdachlosigkeit ins Gespräch zu kommen. Mit den Mitteln der Kunst wollen wir ein Zeichen setzen dafür, dass eine solidarische Gesellschaft, in der auch die Schwächeren ihren Platz haben, durch ein gemeinsames und vertrauensvolles Miteinander möglich ist. Und seien Sie unbesorgt, trotz unseres anspruchsvollen Kunstprojekts heben wir nicht ab. Denn unser normaler Alltag läuft weiter. Es kommen nahezu täglich Menschen zu uns, die Arbeit, Wohnung und Hilfe in einer Krise suchen. An dem Tag, als die Zufahrt zur Baustelle festgeschrieben wurde, war auch Familie M. am Ziel ihrer langen Suche nach einer Wohnung und unterschrieb den Mietvertrag. Durch eine schwere Erkrankung des Vaters hatte die Familie mit zwei kleinen Töchtern ihr regelmäßiges Einkommen verloren und wohnte zuletzt in einer Notunterkunft in einem einzigen Zimmer. Die Chance, auf dem normalen Wohnungsmarkt fündig zu werden, war gleich null. Dank großzügiger Gönner und langjähriger Förderer von BISS, die eine größere Wohnung zu einer moderaten Miete anboten, kann die Familie, die ihr Glück kaum fassen konnte, umziehen. In den vergangenen 25 Jahren konnte BISS dank Ihrer Unterstützung vielen Menschen helfen. Deshalb, liebe Freunde, feiern Sie mit uns und unseren Verkäufern bei strahlender Laune unser spektakuläres Geburtstagsgeschenk, mit dem wir unserer Stadt und allen ihren Bürgern für ihre Treue und Großzügigkeit danken möchten. Nehmen Sie sich die Zeit und geben Sie uns die Ehre – schauen Sie diesen Sommer auf dem Wittelsbacherplatz vorbei!

Herzlichst

 

 

Karin Lohr, Geschäftsführerin

Annus mirabilis

BISS-Geschäftsführerin
Karin Lohr
Foto: Sascha Kletzsch

Nur auf den ersten Blick haben Königin Elisabeth II. von England und die Münchner Straßenzeitung BISS keine Gemeinsamkeiten. Denn Königin Elisabeth, Jahrgang 1926, ist dieses Jahr im April tatsächlich schon 92 Jahre alt geworden und sie spricht in der Regel Englisch. Wohingegen wir von BISS, gegründet 1993, nahezu jugendlich frisch in diesem Jahr unser 25-jähriges Jubiläum feiern und uns meist auf Deutsch unterhalten. Beide sind wir jedoch die Ältesten – die Queen als Königin von England und BISS als professionelle Straßenzeitung Deutschlands. Und beide sind wir vor Ort die Einzigen oder besser gesagt einzigartig, die Queen in UK sowieso und BISS sogar weltweit als diejenige Straßenzeitung, die von ihren 100 Verkäufern aktuell 51 mit unbefristeten Arbeitsverträgen fest angestellt hat. Das ist ein Anlass, richtig zu feiern, und das haben wir mit der Premiere unseres Films „BISS und die Angst vorm Fliegen“, Wolfgang Ettlichs filmischer Langzeitbeobachtung von vier BISS-Verkäufern, auf dem Münchner Dokumentarfilmfestival erst begonnen! Der Film ist vom Münchner Publikum begeistert aufgenommen worden und es hat uns sehr gefreut, dass sich auch viele unserer Verkäufer den Film im Kino angesehen haben. Und es geht fulminant weiter, denn ab 12. Juni wird anlässlich des BISS-Jubiläums das Kunstwerk „I will be with you, whatever“ der britischen Künstler von Studio Morison auf dem Wittelsbacherplatz errichtet. Schon seit Wochen fertigen die Arbeiter der Firma Lutzenberger in Pfaffenhausen die 1.400 Einzelteile, die zu einer tonnenschweren Skulptur verbunden werden, die das Denkmal von Maximilian I. teilweise verhüllen wird. Das ist der Auftakt zu einem großartigen Programm mit vielen offenen Veranstaltungen, die den ganzen Sommer über auf dem Wittelsbacherplatz stattfinden werden (siehe S. 22 bis 25). Es gibt viele Gelegenheiten zu feiern, sei es das offene Singen immer donnerstags oder die Gesprächsrunden sonntags, an die eine Führung anschließen wird. Wir freuen uns auf Sie, schauen Sie doch vorbei! Zur Eröffnung am Samstag, den 30. Juni möchte ich Sie ebenfalls im Namen aller BISSler herzlich einladen. Drücken Sie mit uns die Daumen, dass es um 14 Uhr nicht regnet, oder jedenfalls nur ein bisschen. Das BISS-Jubiläumsjahr wird fantastisch, ein „annus mirabilis“ würde die Queen möglicherweise sagen, mit der uns genau betrachtet auch unser Motto „I will be with you, whatever“ verbindet. Denn aufgeben tut weder sie noch BISS, auch wenn’s mal stürmisch wird!

Herzlichst

 

 

 

Karin Lohr, Geschäftsführerin