BISS-Ausgabe September 2018 | Feiern und wählen

Cover des BISS-Magazins September 2018

Thema | BISS-Jubiläum und Wahlen: Diesen Sommer feiern wir zusammen mit den Menschen in der Stadt unser Jubiläum.  Trotz Feierstimmung vergessen wir die bevorstehenden Wahlen nicht | 6 Landtagswahl: Wie funktionieren eigentlich die Wahlen in Bayern? | 10 Iris Berben: Im Interview über Politik und gesellschaftliche Herausforderungen | 14 BISS am Wittelsbacherplatz: Impressionen von unserer großen Eröffnungsfeier und den tollen Veranstaltungen am Platz | 20 Jubiläumsprogramm: Unser Programm für September und Oktober | 22 Neudeck und GBW: Wie die CSU bezahlbaren Wohnraum an Spekulanten verscherbelt hat | Schreibwerkstatt | 5 Was uns verbindet | 26 Aufgelesen: BISS-Verkäufer erzählen, was sie bewegt | Rubriken | 3 Editorial | 25 Patenuhren | 28 Freunde und Gönner | 30 Impressum, Mein Projekt | 31 Adressen

Was uns verbindet

IN DER BISS-KOLUMNE KOMMEN MENSCHEN ZU WORT, DIE EINE PERSÖN LICHE ERFAHRUNG ODER IHR INTERESSE AN EINEM THEMA ODER PROJEKT VERBINDET. IN DER BEGEGNUNG ZEIGT SICH, DASS MENSCHEN TROTZ UNTERSCHIEDLICHER LEBENSLAGEN, ÜBERZEUGUNGEN UND PERSÖNLICHKEITEN IMMER AUCH ETWAS GEMEINSAM HABEN

Protokoll CHRISTOPH GURK

Gardinen

 

ION PLESA (55), BISS-VERKÄUFER

EVA TRIPP, INNENEINRICHTERIN

EVA TRIPP: Seit Jahren arbeite ich mit der BISS und statte Wohnungen mit Gardinen aus. So habe ich Herrn Plesa kennengelernt. Wir haben uns sofort verstanden, Herr Plesa hat von seinem Leben erzählt, ich von meinem.

ION PLESA: Ich bin in einem Kinderheim in Rumänien aufgewachsen. Einer meiner Lehrer hat mir beigebracht, wie man singt und Gitarre spielt. Später war ich Seemann. Musik habe ich aber weiter gemacht. Und als ich auf der Straße lebte, konnte ich mit der Musik Geld verdienen.

ET: Gardinen sind nicht nur ein Stück Stoff. Sie schaffen Privatsphäre, das ist wichtig, besonders für Menschen, die lange auf der Straße gelebt haben. Schon meine Großeltern haben Gardinen verkauft, meine Eltern haben das Geschäft übernommen, dann ich.

IP: Keine Ahnung mehr, wie ich nach München gekommen bin. Ich habe Arbeit gesucht und bin dann nach Deutschland gefahren. Ein Bekannter hat mich zur BISS geschickt. Heute habe ich eine Festanstellung und dank der BISS auch eine Wohnung.

ET: München ist eine teure Stadt. Viele Geschäfte in Haidhausen mussten schließen wegen der Mieten. Auch ich habe verkauft, Gardinen Schmittner war 92 Jahre in Familienbesitz. Meine Kinder wollen den Laden nicht weiterführen, ein Kollege machte mir ein Angebot. Ich arbeite trotzdem weiter, weil man
tolle Menschen kennenlernt, zum Beispiel Herrn Plesa.

IP: Ich möchte mich noch einmal bei Frau Tripp bedanken. Sie war so nett und hat meine Wohnung so schön gemacht. Es fühlt sich toll an, eigene vier Wände zu haben. Das Einzige, was ich vermisse, ist Musik. Ich spiele nicht Gitarre in der Wohnung, ich möchte die Nachbarn nicht stören.

Christlich-Sozialer Wohnungsbau?

 

Die Christlich-Soziale Union (CSU) hat des Öfteren Immobilien aus Beständen des Freistaats an private Investoren verkauft. In zwei prominenten Fällen wurden dadurch entweder soziale Projekte verhindert oder öffentlich geförderter Wohnraum wurde zerstört. Am Neudeck 10, wo einst ein Hotelprojekt der Stiftung BISS zur Ausbildung benachteiligter Jugendlicher geplant war, entstehen nun Luxuswohnungen. Und der Verkauf von 33.000 GBW-Wohnungen an ein privates Käuferkonsortium sorgt bei Opposition und Öffentlichkeit weiter für Ärger. Warum hat sich die CSU gegen die soziale Nutzung entschieden? Bei den politisch Verantwortlichen stößt man mit dieser Frage auf Schweigen.

Von LINUS FREYMARK

Illustration PAULA PAETZEL

Edel sieht es aus im „Löwenbräukeller“ am Stiglmaierplatz. Das Gasthaus ist eine der exklusiveren Locations in München: Die Küche bietet gehobene, mehrgängige Menüs an, und für besondere Anlässe steht den Gästen der „lichtdurchflutete Festsaal“ zur Verfügung, wie es auf der Homepage des Lokals heißt. In genau diesem Raum feierte am 20. Januar dieses Jahres die Christlich-Soziale Union (CSU) ihren traditionellen Schwarz-Weiß-Ball. Zu dem repräsentativen Event hat die Partei Vertreter aus Politik und Wirtschaft eingeladen, man isst und trinkt, zu später Stunde wird getanzt.
Für die 140.000 Euro teure Veranstaltung hat sich die CSU Sponsoren gesucht, darunter einflussreiche Bauunternehmen. Die Unternehmensgruppe Signa etwa spendete 11.000 Euro, die Immobilienfirma Legat Living steuerte 2.000 Euro bei. Beide Unternehmen sind durch politische Entscheidungen der CSU-Staatsregierung an attraktive Immobilien in München gekommen. So erteilte man Signa Anfang 2018 den Zuschlag für die Alte Akademie in der Münchner Innenstadt, die bis dahin im Besitz des Freistaats war. Legat Living dagegen ist seit dem Frühjahr 2017 Eigentümer des ehemaligen Frauengefängnisses Am Neudeck 10 in der Au.
Spätestens durch diese Verbindung reiht sich die Veranstaltung vom Januar ein in das Geflecht aus politisch unsensiblen und schwer nachvollziehbaren Immobilienentscheidungen der von der CSU geführten Staatsregierung. Spricht man darüber mit Politikern, die mit der bayerischen bzw. städtischen Wohnungspolitik vertraut sind, erkennt man schnell: Es gibt die einen, die Fragen dazu gern und ausführlich beantworten. Das ist naturgemäß die Opposition, zu der Thomas Mütze und Brigitte Wolf gehören. Mütze ist Landtagsabgeordneter der Grünen und zudem Mitglied des Haushaltsausschusses im Landtag, Wolf sitzt für die Linke im Münchner Stadtrat. Zurzeit kandidiert sie für den Bayerischen Land- tag. Beide sind scharfe Kritiker der Wohnungspolitik der CSU. Und weil sich von den Christ-Sozialen gegenüber BISS niemand zu den zwei Fällen, um die es hier gehen soll, äußern möchte, werden Mütze und Wolf die Einzigen sein, die in dieser Geschichte zu Wort kommen. Sie werden über die vielleicht bekanntesten beiden Beispiele sprechen, in denen Immobilien aus öffentlichem Besitz durch die politische Entscheidung der CSU an private Investoren verkauft wurden. Das ist zum einen jenes Frauengefängnis, das nun Legat Living gehört und in dem durch den Kurs der CSU eine gemeinnützige Nutzung verhindert wurde. Im anderen Fall, beim Verkauf der 33.000 Wohnungen der Wohnungsgenossenschaft GBW, hat man die bayernweit 80.000, meist einkommensschwächeren Mieter „im Regen stehen lassen“, wie es Stadträtin Wolf ausdrückt.

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