Kunst ist schön

BISS-Geschäftsführerin
Karin Lohr
Foto: Sascha Kletzsch

… macht aber viel Arbeit. Das wusste schon Karl Valentin, dem dieses Bonmot zugeschrieben wird. Für unser spektakuläres Vorhaben zum 25-jährigen Jubiläum von BISS trifft das in besonderem Maße zu: Denn auf dem Wittelsbacherplatz errichtet das britische Künstlerkollektiv Studio Morison unter dem Motto „I will be with you, whatever“ eine Skulptur um das Denkmal von Kurfürst Maximilian I., der dort (im Moment noch unbehelligt) zu Pferde sitzt. Was wir in unserer Januarausgabe erst andeuten konnten, ist jetzt spruchreif. Seit Ende März liegen alle erforderlichen Genehmigungen vor. Bis es so weit war, hatten nicht nur BISS und die Künstler alle Hände voll zu tun, sondern auch die öffentliche Verwaltung, angefangen bei der Kunstkommission und der Denkmalschutzbehörde über das staatliche Bauamt, die Regierung von Oberbayern, die Lokalbaukommission und das Baureferat bis zur Branddirektion und dem Kreisverwaltungsreferat. Wir danken allen Beteiligten an dieser Stelle für die fachliche Beratung und die Unterstützung! BISS wird mit der Skulptur und vielen tollen Veranstaltungen von 30. Juni bis voraussichtlich Mitte Oktober 2018 auf dem Wittelsbacherplatz präsent sein. Über das Programm halten wir Sie im Heft und im Internet auf dem Laufenden. Unser zweites Jubiläumsprojekt ist der Dokumentarfilm „BISS und die Angst vorm Fliegen“. Der Filmemacher Wolfgang Ettlich und sein Team haben vier relativ neue BISS-Verkäufer von 2015 bis 2017 mit der Kamera begleitet und zeigen im Film, wie es jedem von ihnen ergeht. Die Premiere ist im Mai auf dem Münchner DOK.fest Premiere (Vorführtermine Seite 23). Vielleicht haben Sie Gelegenheit, ihn sich anzuschauen. Die Protagonisten sind nach Möglichkeit bei den Vorstellungen anwesend und beantworten gerne im Anschluss Ihre Fragen. So unterschiedlich unsere Projekte auch sind, sie zeigen beide, dass man Geduld haben muss, weil sich Vorhaben und Menschen entwickeln und dafür Zeit brauchen. Und man sieht, dass man mit der Unterstützung anderer weiter kommt, als man das als Einzelkämpfer tun würde. Die Künstler von Studio Morison, Heather Peak und Ivan Morison, haben ganz am Anfang mal gesagt, dass sie für BISS so wie für die Tate Modern arbeiten würden, sie würden etwas wirklich Schönes – „something really beautiful“ – schaffen. Das hat uns total überzeugt. Denn mit diesem Geschenk wollen wir unseren Dank und unsere Wertschätzung ausdrücken für die BISS-Verkäufer und überhaupt für alle Münchnerinnen und Münchner. Wir würden uns freuen, wenn Sie in diesem Sommer den Weg zum Wittelsbacherplatz fänden. Dann werden Sie mit eigenen Augen sehen, dass Kunst in diesem Fall richtig schön ist!

Herzlichst

 

 

 

Karin Lohr, Geschäftsführerin

BISS UND DIE ANGST VORM FLIEGEN

Vorstellungen:

Aufgrund der großen Nachfrage wird der Film an den folgenden Terminen im Theater Heppel und Ettlich in der Feilitzschstraße 12 (Münchner Freiheit) gezeigt: am 1. Juni, 2. Juli und 1. August, jeweils um 19 Uhr

http://www.heppel-ettlich.de/

Samstag, 5. Mai im Rio 1, Rosenheimer Platz, Dienstag, 8. Mai im City 3, Sonnenstraße 12 Sonntag 13. Mai im Neuen Maxim, Landshuter Allee 33

https://www.dokfest-muenchen.de/films/view/13103

Für den Film „BISS und die Angst vorm Fliegen“ hat der renommierte Filmemacher Wolfgang Ettlich vier BISS-Verkäufer von 2015 bis 2017 mit der Kamera begleitet. Der Film zeigt, mit welchen Schwierigkeiten sie zu kämpfen haben und wie es jedem von ihnen ergeht bei ihren Anstrengungen, Armut und Isolation zu überwinden.

„Unprätentiöses, warmherziges Porträt des BISS-Universums und seiner Mitarbeiter“.

DOK.fest München, 02. -13. Mai 2018

Autor: Wolfgang Ettlich. Kamera: Hans Albrecht Lusznat. Schnitt: Monika Abspacher. Produktion: MGS Filmproduktion. Produzent: Wolfgang Ettlich. Länge: 90 min.

BISS-Ausgabe April 2018 | Lebensweisen

Cover des BISS-Magazins April 2018

Thema | Lebensweisen: Die Art, wie wir leben wollen oder müssen, ändert sich im Lauf der Zeit. Mit Mut und Unterstützung können wir unsere Lebensphasen aktiv gestalten | 6 Wohnen im Alter Es gibt Alternativen dazu, alleine oder im Pflegeheim zu leben | 12 Dick und ausgegrenzt: Übergewichtige Menschen begegnen vielen Vorurteilen | 14 Sinti und Roma: Seit Generationen am Rande der Gesellschaft | 18 Arm und erschöpft: Prof. Dr. Ronald Lutz im Interview | 20 1. BISS Jugendmedienpreis| Schreibwerkstatt | 5 Was uns verbindet | 24 Aufgelesen: BISS-Verkäufer erzählen, was sie bewegt | Rubriken | 3 Editorial | 27 Freunde und Gönner | 26 Patenuhren | 30 Impressum, Mein Projekt | 31 Adressen

 

 

Was uns verbindet

IN DER BISS-KOLUMNE KOMMEN MENSCHEN ZU WORT, DIE EINE PERSÖN LICHE ERFAHRUNG ODER IHR INTERESSE AN EINEM THEMA ODER PROJEKT VERBINDET. IN DER BEGEGNUNG ZEIGT SICH, DASS MENSCHEN TROTZ UNTERSCHIEDLICHER LEBENSLAGEN, ÜBERZEUGUNGEN UND PERSÖNLICHKEITEN IMMER AUCH ETWAS GEMEINSAM HABEN

Protokoll CHRISTOPH GURK

DANIEL FISCHER, 38, ZWEIRADMECHANIKER BEI DYNAMO

ROSAMUNDE BAUER (36), NÄHERIN BEI PULPO

SAM MONTAG (41), MITARBEITERIN BEI PULPO, DOLMETSCHTE GEBÄRDENSPRACHE

DANIEL FISCHER: Ich fahre gerne Rad. Noch lieber repariere ich sie aber. Nach der Gehörlosenschule habe ich trotzdem Schuhmacher gelernt. Auf der Berufsschule habe ich Rosi kennengelernt: Sie ist auch gehörlos und bald waren wir ein Paar.

ROSAMUNDE BAUER: Ich habe damals eine Ausbildung zur Täschnerin gemacht. Dann kam unser Sohn zur Welt, und danach war es schwer, eine feste Anstellung zu finden. Als es mit Pulpo losging, hat mir mein Mann davon erzählt.

DF: Pulpo kannte ich durch meine Arbeit. Nach meiner Ausbildung fand ich eine Stelle, nach ein paar Jahren schloss der Betrieb aber. Durch die Arbeitsagentur kam ich zum Dynamo Fahrradservice: Gefördert von der Stadt München, arbeiten hier Menschen, die langzeitarbeitslos und auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt benachteiligt sind. Wir reparieren und richten Fahrräder. Und statt die alten Schläuche wegzuschmeißen, kommen sie zu Pulpo.

RB: Wir gehören zum Netzwerk Geburt und Familie und sind wie Dynamo ein sozialer Betrieb. Wir nähen Taschen und Accessoires aus recycelten Fahrradschläuchen. BISS hat für mich eine Patenschaft übernommen, das gefällt mir!

DF: Ich bin jetzt schon fast zwölf Jahre bei Dynamo, wie die Zeit vergeht. Rosi und ich haben immer mal wieder überlegt, nach Thüringen zurückzugehen, aber da gibt es kein Dynamo und kein Pulpo. Was ich am liebsten mache? Alles! Denn Fahrräder habe ich ja schon immer gern repariert. Und jetzt ist mein Hobby eben mein Beruf.