BISS-Ausgabe Februar 2017 | Spieltrieb

Cover des BISS-Magazins Februar 2017

Cover des BISS-Magazins Februar 2017

Thema | Spielen und verspielen! Die einen spielen sich um Haus und Hof, andere spielen Lebensgeschichten, und für echte Fans ist der Spielverein wie eine zweite Familie | 6 Glücksspielsucht: Wenn der Spaß am Spiel in den finanziellen Ruin führt| 12 Fußballfan: Wenn der Verein zum  Lebensinhalt wird | 18 Brigitte Hobmeier Im Gespräch über den Film  „Ein Teil von uns“ | 22 Déjà-vu durch Donald Trump: Erfahrungen mit  Republikanern in Chicago |  Schreibwerkstatt | 5 Käufer und Verkäufer | 24 Aufgelesen: BISS-Verkäufer erzählen, was sie bewegt | Rubriken | 3 Editorial | 26 Patenuhren | 27 Freunde und Gönner | 30 Impressum, Mein Projekt| 31 Adressen

 

 

 

 

Käufer & Verkäufer

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Sabine Franzke ( rechts ), ( 75 ) Rentnerin Renate Laupheimer ( links , engagiert sich ebenfalls im Helferkreis)

S. Franzke: Ich engagiere mich im Helferkreis Germering. Da ich schon als Jobmentorin für Mittelschüler gearbeitet habe, kam die Idee auf, ob wir nicht auch den Asylbewerbern bei der Jobsuche helfen könnten. So habe ich Husnain getroffen. Wenn wir uns unterhalten, ist das eine Mischung aus Englisch und Deutsch. Mit seiner Behinderung und ohne Sprachkenntnisse ist es für ihn natürlich doppelt schwer, hier eine Arbeit zu finden. Viele Ideen waren nur Sackgassen. Aber er wollte unbedingt etwas tun. So sind wir auf die BISS gekommen. Husnain ist ein Kämpfer, meistert das Leben hier gut und macht so viel es geht selbständig. Er hat ein sehr einnehmendes Wesen und viel gute Laune. Das hilft ihm jetzt hoffentlich auch beim Verkaufen.

Husnain Akbar ( vorn ) ( 29 ) verkauft in Herrsching

Bevor ich nach Deutschland gekommen bin, habe ich 25 Jahre in Libyen gelebt. Ursprünglich bin ich aber aus Pakistan. Meine Beine habe ich bei einem Autounfall verloren. Nach Europa bin ich mit dem Boot übers Mittelmeer gekommen. Ich bin eigentlich gelernter Goldschmied und habe zehn Jahre lang Ohrringe, Armreife und Ketten aus Gold gemacht. Hier kann ich das gerade nicht machen. Deshalb habe ich eine andere Arbeit gesucht, und jetzt bin ich der 50. angestellte Verkäufer bei BISS. Ich vermisse meine Familie sehr – aber hier bin ich freundlich und nett aufgenommen worden, sonst wäre es auch noch schwerer gewesen. In Pakistan und Lybien gibt es für Behinderte keinen Respekt, kein Leben, hier schon. Auch Projekte wie BISS gibt es dort nicht. Respektiert zu werden ist für mich das Wichtigste. Und vielleicht kann ich auch irgendwann einmal wieder als Goldschmied arbeiten. Wer weiß?

Glücksspielsucht – Zocken ohne Ende

Ab und an Lotto spielen, ein Rubbellos kaufen oder auf ein Pferd setzen, nur so zum Spaß – das ist kein Problem. Aber allein in Bayern sind rund 34.000 Menschen süchtig nach Glücksspielen und zocken Tag und Nacht

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Foto TOBY BINDER
Text  CLAUDIA STEINER

Hektisch blinkende Zahlen, flackernde Lichter, immer schneller werdende Klingeltöne, die einen glauben lassen, man hätte den Jackpot geknackt – selbst wenn nur ein paar Euro­Münzen in den Ausgabeschacht fallen. Geldspielautomaten sind bei Spielsüchtigen besonders beliebt. „In meinen schlimmsten Zeiten habe ich mein Monatsgehalt als Speditionskaufmann in eineinhalb Stunden verspielt“, erzählt Murat* aus München. Spiele an Geldspielautomaten sind schnell, die Geräte sind in der ganzen Stadt zu finden, der Einsatz ist variabel, und durch Fast­Gewinne wird dem Spieler vermittelt, er habe den Gewinn nur ganz knapp verpasst. Der 37 Jahre alte Murat hat jahrelang an den bunten Automaten gehangen wie ein Heroinsüchtiger an der Nadel. Er zockte bis zu zwölf Stunden am Tag, immer in der Hoffnung auf den nächsten Kick, den großen Gewinn: „Wenn ich wusste, heute kommt das Gehalt, war ich richtig aufgeregt, ich hatte ein Kribbeln im Bauch. In der Spielothek ist man mit sich und dem Spiel allein – das ist wie so ein Bündnis.“
Nach Angaben der Landesstelle für Glücksspielsucht in Bayern gibt es im Freistaat rund 34.000 pathologische Spieler, also Spielabhängige, und noch einmal 33.000 Menschen, deren Spielverhalten problematisch ist. „Grundsätzlich kann jeder von Glücksspielsucht betroffen sein, das geht vom Hartz­IV-Empfänger bis zum Manager, aber junge Männer und Personen, die vom Bildungssystem nicht erreicht wurden, sind besonders gefährdet“, so der Geschäftsführer der Landesstelle, Konrad Landgraf. Es (ver)locken nicht nur Geldspielautomaten in Spielhallen und Eckkneipen, sondern auch staatliche Casinos, wo außerdem Roulette und Blackjack geboten werden, Lotto und Toto, Pferderennen, Sportwetten, Online­Poker und mobile Glücksspiele fürs Handy.

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Déjà-vu durch Donald Trump

Arm und obdachlos zu sein ist hart in den USA, der Weg zurück in die Gesellschaft beinahe aussichtslos. Macht Trump seine Ankündigungen wahr, werden die von Obama eingeführten Sozialreformen wie Obama care ganz oder teilweise wieder rückgängig gemacht. Unsere Kollegin Suzanne Hanney arbeitet für die Straßenzeitung „StreetWise“ in Chicago. Sie hat mit Bewohnern einer Zeltstadt gesprochen und Verantwortliche um ihre Einschätzung gebeten

Charles Holder lebt mit seiner Frau und seinem Vater unter der Brücke

Charles Holder lebt mit seiner Frau und seinem Vater unter der Brücke

Text und Foto SUZANNE HANNEY

Übersetzung STEFANIE HEIM

Die Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der USA verunsichert die Bewohner Chicagos, die obdachlos sind oder mit Wohnungslosen arbeiten. Für manche Bürger Chicagos ist die Wahl Trumps so etwas wie ein „Déjà­vu“, wie es der amerikanische Baseball­Spieler Yogi Berra nennt. Chicago ist eine Stadt im Bundesstaat Illinois, einem demokratischen sogenannten „blue state“ in einem Meer aus repulikanisch wählenden „red states“. Die Auswertung der Wählerstimmen zeigte, dass die US-Demokratin Hillary Clinton die Wahl in Illinois gewonnen hat. In Chicago bekamen die Demokraten tendenziell schon immer mehr Wählerstimmen als im Rest des Bundesstaats, der im Gegensatz zu Chicago eher ländlich, konservativ – und republikanisch – aufgestellt ist. Clintons Mehrheit kann man deshalb auch als Reaktion auf die politischen Entwicklungen der letzten zwei Jahren werten. Vor zwei Jahren gewann der Republikaner Bruce Rauner die Wahl zum Governor von Illinois und löste damit den amtierenden Demokraten Patrick Quinn ab. Der Kolumnist Rich Miller schrieb damals im „Crain’s Chicago Business“­Magazin, dass Illinois’ Wirtschaft nach Quinns sechsjähriger Amtszeit immer noch stagniere und das Budget defizitär sei. Die Wähler hätten ihre Stimmen daher einem neuen Gesicht wie Rauner gegeben. Wie Trump ist Rauner ein milliardenschwerer Geschäftsmann und hatte vorher nie ein politisches Amt besetzt. Zudem „positionierte sich Rauner als der Mann, der Dinge ändern wird“, kommentierte das „Chicago magazine“ 2014: „Gleichzeitig vermied Rauner es, Details zu nennen, die Wähler beider Parteien hätten abschrecken können. Er beschränkte sich während seiner Kampagne auf einige wenige politische Phrasen, sprach sich für die Begrenzung von Amtszeiten und Steuersenkungen aus, ohne genauer zu erklären, was er im Gegensatz zu den (nach seinen Worten) amtierenden ‚Schwachköpfen‘ anders machen würde.“

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