Streich mit Schaf und Frau

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT

von Zuheir Sobhy Matti Takiyan

Manchmal muss man in der Liebe eine List anwenden. Ich weiß das, weil ich ein gutes Beispiel dafür aus dem Irak kenne. Dort heiratete eine Frau einmal und zog mit ihrem Mann in sein Haus. Sie waren sehr verliebt, doch eines Tages stritten sie sich und die Frau zog aus und ging zurück zu ihrer Familie. Der Mann bat sie, zurückzukommen, einmal, zweimal, dreimal. Vergeblich. Da beschloss der Mann, eine List anzuwenden. Er kaufte auf dem Markt ein Schaf, nahm es mit zu sich nach Hause und zog ihm dort Holzschuhe an und brachte es in den ersten Stock seiner Wohnung. Kurz darauf lud er seine Frau zu sich ein und erklärte ihr, dass er wieder geheiratet habe. Als seine Frau ihm nicht glaubte, erklärte er, dass die Schritte, die man aus dem ersten Stock hörte, von seiner neuen Liebe stammen würden. Seine Frau wurde erst blass und dann sehr eifersüchtig, denn eigentlich liebte sie ihren Mann immer noch. So bat sie ihn, sich scheiden zu lassen von der neuen Frau und wieder zu ihr zurückzukommen. Und tatsächlich: Der Mann willigte sofort ein. „Und was ist mit der anderen?“, fragte die Frau daraufhin. „Komm mit“, sagte der Mann, „ich zeige sie dir.“ Und so führte er sie in den ersten Stock, wo das Schaf immer noch auf Holzschuhen durch die Zimmer lief. „Warum hast du das gemacht?“, wollte seine Frau wissen. „Weil ich wollte, dass du zu mir zurückkommst“, sagte der Mann. „Und jetzt bist du wieder da.“ Von da an ging die Frau nicht mehr weg, und das Ehepaar lebte noch viele Jahre glücklich und zufrieden zusammen. Das Schaf aber, das haben sie gegessen.

Tuttifrutti

BISS-Geschäftsführerin
Karin Lohr
Foto: Sascha Kletzsch

Einmal im Monat treffen sich alle BISS-Verkäufer zu der Verkäufersitzung und einem gemeinsamen Frühstück. Die letzten Male haben wir dafür frischen Obstsalat gemacht aus Äpfeln, Bananen, Weintrauben, und am Schluss ein bisschen Zitronensaft dazu, damit die Früchte ihre Farbe behalten und appetitlich ausschauen. Von Birnen haben wir abgesehen, die sind erfahrungsgemäß zu hart oder schon matschig, obwohl so eine schöne, reife Birne geschmacklich gut in einen Obstsalat passen würde. Wer wollte, konnte einen Bio-Naturjoghurt dazu essen, die vollfette Variante, weil die schön geschmeidig schmeckt. Warum diese Mühe, werden sich manche fragen. In erster Linie soll es unseren Verkäufern gut schmecken und für Abwechslung im Angebot sorgen. Das ist für arme und benachteiligte Menschen nicht unbedingt eine alltägliche Erfahrung, denn sie essen viel zu häufig, was billig und einfach verfügbar ist und schnell satt macht. Das Zuviel an Zucker, Fett und Zusatzstoffen macht langfristig krank, wobei arme Menschen laut einschlägigen Studien gesundheitlich schlechter gestellt sind als diejenigen, die von Kindheit an im Elternhaus und in der Schule erfahren, wie es besser geht. Im Unterschied zu früher steht man beim Einkaufen einer enormen Menge an industriell produzierten Nahrungsmitteln gegenüber. Niemand kommt jedoch mit dem Wissen zur Welt, dass etwa eine mikrowellenfertige Rinderroulade auf dem Teller bei Weitem nicht so appetitlich aussieht, wie sie auf der Packung abgebildet ist. Verbraucherinitiativen wie Foodwatch fordern eine bessere Kennzeichnung, beispielsweise eine Lebensmittelampel auf jeder Packung, die auf einen Blick zeigt, wie es mit Fett, Salz oder Geschmacksverstärkern bestellt ist. Das hat die Lebensmittelindustrie durch massive Lobbyarbeit verhindert. Manchmal scheint es, als ob nicht nur die Tiere in dem System der Massenproduktion für maximalen Profit ausgebeutet werden, sondern auch die Menschen, die erst die Produkte kaufen und danach die Medikamente, die gegen die Folgen von Fehlernährung helfen sollen. In unserer Kolumne „Was uns verbindet“ auf Seite 5 hat das Ulrike Mascher, die Präsidentin des Sozialverbandes VDK, auf den Punkt gebracht. Sie sagt, dass Politik in Wirklichkeit unser Leben bestimmt und deshalb auch so wichtig ist. Das finden wir auch, weil Politik den verbindlichen Rahmen setzt, der insbesondere die Schwächeren schützt. Handeln und entscheiden tun die Menschen dann selbst. Wie beim Obstsalat, vielleicht beim nächsten Mal mit ein paar Granatapfelkernen oder einem Minzblatt?

Herzlichst

 

 

Karin Lohr, Geschäftsführerin

BISS-Ausgabe Februar 2018 | Aussortiert?

Cover des BISS-Magazins Februar 2018

Thema | Aussortiert oder integriert? Eine Behinderung, schwere Erkrankung oder Arbeitslosigkeit können dazu führen, dass eine Teilhabe an unserer Gesellschaft schwierig wird. Es kann aber auch anders gehen | 6 Toiletten für alle: Das Grundrecht auf ein stilles, sauberes Örtchen | 10 Spätes Outing Homosexuelle Väter und Mütter | 14 Leben mit MS: Daniel Wildt erzählt von seinem Leben mit der Krankheit | Schreibwerkstatt | 5 Was uns verbindet | 24 Aufgelesen: BISS-Verkäufer erzählen, was sie bewegt | Rubriken | 3 Editorial | 26 Patenuhren | 27 Freunde und Gönner | 30 Impressum, Mein Projekt | 31 Adressen

 

 

 

Was uns verbindet

IN DER BISS-KOLUMNE KOMMEN MENSCHEN ZU WORT, DIE EINE PERSÖN LICHE ERFAHRUNG ODER IHR INTERESSE AN EINEM THEMA ODER PROJEKT VERBINDET. IN DER BEGEGNUNG ZEIGT SICH, DASS MENSCHEN TROTZ UNTERSCHIEDLICHER LEBENSLAGEN, ÜBERZEUGUNGEN UND PERSÖNLICHKEITEN IMMER AUCH ETWAS GEMEINSAM HABEN. UWE HINSCHE, 62, BISS-INNENDIENST UND VERTRIEBSASSISTENT, KOMMT AUF WUNSCH IN FIRMEN UND SCHULEN UND ERZÄHLT AUS SEINEM LEBEN

Protokoll: Christoph Gurk

Foto: Barbara Donaubauer

 

DIE LEBERKÄS-SEMMEL

UWE HINSCHE: Qualität ist mir wichtig, vielleicht, weil ich selbst ein Handwerk gelernt habe. Ich bin im Heim aufgewachsen, es gab strenge Regeln und Schläge, aber immerhin hat mir die Leiterin eine Lehre beim Schreiner verschafft.

IGNAZ VOGL: Schule mochte ich nicht und meine Eltern hatten eine Metzgerei, so hab ich auch Metzger gelernt. Nach der Lehre hab ich in verschiedenen Metzgereien gearbeitet, auch in einer bayerischen Metzgerei in Togo. Weißwürste und Leberkäs am Äquator. Eine tolle Zeit.

UH: Ich war schon immer sportlich. Tagsüber war ich in der Schreinerei, danach beim Training. Irgendwann meinte meine Frau: Entweder dein Kind und ich – oder der Sport. Also hörte ich auf zu trainieren – und fing das Saufen an.

IV: Als ich das Geschäft meiner Eltern übernommen habe, gab es im Viertel über ein Dutzend Metzgereien. Dann wurden die Wohnungen immer teurer und der Geruch von Leberkäs hat auf einmal gestört. Viele Metzger mussten schließen.

UH: Meine Frau wollte die Scheidung. Der Richter verbot mir, unsere Wohnung zu betreten. Ich wurde obdachlos und soff weiter, 13 Jahre lang. 1992 kam ich zur BISS als einer der ersten Mitarbeiter. Die erste Wohnung war um die Ecke von der Metzgerei Vogl.

IV: Uwe ist natürlich ein Glücksfall! Der hat immer Hunger und kommt jeden Tag für seine Leberkässemmel und zum Ratschen.

UH: Bei Ignaz und mir stimmt die Wellenlänge. Und dann ist da noch die Leberkässemmel: Zu der braucht man keinen Senf, so gut ist die. Qualität ist eben einfach wichtig.