Stiftung BISS

Ende 2016 wurde die erste BISS-WG in München Solln gegründet. Drei BISS-Verkäufer kamen in dieser Übergangswohnung unter und sollten möglichst innerhalb eines Jahres eine feste Wohnung finden. Außerdem wollte die Stiftung weitere kleine Wohnungen kaufen zur Vermietung an bedürftige Personen. Wie ist der Stand nach einem Jahr?

Hildegard Denninger (l.), Sanda Boca, die Waschmaschine und Hündchen Cora

Vor einem Jahr haben wir an dieser Stelle unser neues Projekt vorgestellt, die BISS-WG:
In Zusammenarbeit mit dem Verein BISS e. V. möchte die Stiftung einige Übergangswohnungen schaffen, deren Verträge zunächst auf ein Jahr be fristet sind. Die Wohnungen sollen Brücken schlagen von Obdachlosigkeit oder prekären Wohnverhältnissen hin zur eigenen Mietwohnung. Die Nutzer der Wohnungen werden von Sozialpädagogen und ehrenamtlichen Helfern betreut, es wird eine Art „Wohntraining“ gemacht, das auch Strategien zur Bewältigung des Alltags vermitteln soll. Das geht vom Benutzen der Geräte, Putzen, Vorratshaltung bis hin zur Anmeldung bei Behörden und Abwicklung der Bankgeschäfte.

DIE WOHNUNG IN SOLLN
Diese Wohnung, die die Stiftung 2016 von einer dem Projekt BISS gewogenen Person erwerben und umbauen konnte, war unser Pilotprojekt. Seit Ende 2016 wohnen drei BISS-Verkäufer dort und haben sich in dem Haus gut eingelebt. Es gab am Anfang ein paar kleinere Schwierigkeiten mit den Nachbarn, die aber ausgeräumt werden konnten, indem der Standort eines Fernsehers verlegt wurde und unsere Verkäufer die Zigarettenkippen nicht mehr über die Balkonbrüstung auf den Rasen schnippten, sondern im Aschenbecher ausdrückten und korrekt entsorgten. Nachdem wir ihnen nachgewiesen hatten, dass es 250 Kippen waren, die auf dem Rasen lagen, und nicht, wie von ihnen vermutet, 10 bis 20, war das gar kein Problem mehr.

Lesen Sie weiter bei »Stiftung BISS«…

Die erste Wohnung

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT

von Sanda Boca

Vor zwei Wochen hat die BISS mir dabei geholfen, eine Wohnung zu finden. Es ist meine erste eigene Wohnung überhaupt. Davor habe ich immer auf der Straße gelebt, erst in Rumänien, dann hier in Deutschland, im Winter in der Notaufnahme, im Sommer immer draußen, so ging das jahrelang. Immer musste ich Angst haben, dass die Polizei kommt und mich vertreibt. Und wenn ich in der Notunterkunft geschlafen habe, musste ich mir immer ein Zimmer mit anderen teilen. Es hat gestunken, die Leute haben gepfurzt und geschnarcht. Aber jetzt habe ich ja eine eigene Wohnung! Als ich eingezogen bin, hatte ich nur einen Koffer dabei, mehr habe ich ja nicht, zum Glück hat die BISS mir auch ein paar Möbel besorgt. Sogar Cora, meine liebe Hündin, hat ein eigenes kleines Bettchen bekommen. Nach der Arbeit komme ich jetzt nach Hause, in mein Zuhause, dann schaue ich ein bisschen fern, ich entspanne mich oder ich schlafe. Am meisten freue ich mich aber über die Dusche. Die benutze nämlich nur ich allein.

2018 – wir lassen uns überraschen!

BISS-Geschäftsführerin
Karin Lohr
Foto: Sascha Kletzsch

So verlockend ein neues Jahr ist, weil noch vieles offen und daher fast alles möglich scheint, so weiß man doch, dass vor allem solche Dinge passieren werden, die man sich am Jahresanfang noch nicht vorstellen kann. Bei den eher unerfreulichen Vorkommnissen ist das ein Vorteil, denn man erfährt noch früh genug, wenn beispielsweise ein BISS-Verkäufer ernsthaft erkrankt oder ein anderer aufgrund einer persönlichen Krise plötzlich von heute auf morgen keine Zeitungen mehr verkaufen kann. Sehr viel häufiger passiert es jedoch, dass wir bei unserer alltäglichen Arbeit aufs Erfreulichste überrascht werden davon, wie gut sich arme und benachteiligte Menschen entwickeln, wenn jemand an sie glaubt und Zeit und Geld investiert, damit diese Menschen zum Zahnarzt gehen, einen Schulabschluss nachholen oder endlich in eine eigene Wohnung ziehen können. Und dann gibt es noch diejenigen Münchnerinnen und Münchner, die für nahezu jede Überraschung gut sind. Wie etwa jener BISS-Leser, der an einem Sommertag vergangenen Jahres in unser Büro in die Metzstraße kam und sagte, er hätte eine kleine Einzimmerwohnung zu vermieten, ob dafür bei uns Bedarf bestünde? Wir wären dem freundlichen Herrn fast um den Hals gefallen vor Freude, und so kam es, dass schon nach kurzer Zeit einer der Bewohner der BISS-Wohngemeinschaft in seine eigene Wohnung ziehen konnte. Bei einem unserer wichtigsten Vorhaben, armen und sozial benachteiligten Menschen zu bezahlbarem Wohnraum zu verhelfen, ziehen die Straßenzeitung BISS und die Stiftung BISS an einem Strang. Wie sehr es dabei vorwärtsgeht, können Sie in dem Beitrag „5 Wohnungen, 2 Geschichten“ (ab Seite 22) lesen. Und dann möchte ich Sie auch auf unser 25-jähriges Jubiläum in diesem Jahr aufmerksam machen. Wir arbeiten mit Volldampf an wirklich tollen Projekten und Aktionen. Eines davon ist ein Dokumentarfilm, für den der renommierte Filmemacher Wolfgang Ettlich und sein Team seit drei Jahren vier unserer Verkäufer mit der Kamera begleiten. Außerdem bereiten wir ein weiteres aufregendes Projekt vor, das noch nicht ganz spruchreif ist, weil zum jetzigen Zeitpunkt nicht alle erforderlichen Genehmigungen vorliegen. Wenn es, wie wir hoffen bald, so weit ist, werden wir wieder auf Sie zukommen, denn dieses Projekt ist für alle unsere klugen, engagierten und großzügigen Leser, Freunde und Unterstützer gedacht, mit deren Hilfe BISS in der Lage ist, alle Überraschungen zu meistern. Im Namen aller BISSler wünsche ich Ihnen ein gutes und gesundes neues Jahr 2018!

Herzlichst

 

 

 

Karin Lohr, Geschäftsführerin

BISS-Ausgabe Dezember 2017 | Schenken

Cover des BISS-Magazins Dezember 2017

Thema | Schenken: Es gibt viele Formen des Gebens und Nehmens – jenseits des Konsumtrubels| 6 Vom Glück, eine Chance zu bekommen Ershad Rezaie Moor aus Afghanistan | 10 Auslandsadoptionen Die Rettung für manche Kinder, ein Geschenk für die Eltern | 16 Junge Pflegende Im Gespräch mit jungen Menschen, die ihre Angehörigen pflegen | 20 Alle Jahre wieder … Psychologe Dr. Markus Schaer über Weihnachtskonflikte und ihre Lösungen | 24 Eine Patenuhr für … Die angestellten BISS-Verkäufer suchen ihre Paten für 2018 | Schreibwerkstatt | 5 Was uns verbindet | 22 Aufgelesen: BISS-Verkäufer erzählen, was sie bewegt | Rubriken | 3 Editorial | 29 Freunde und Gönner | 30 Impressum, Mein Projekt | 31 Adressen