BISS-Ausgabe März 2017 | Wechselhaft

Cover des BISS-Magazins März 2017

Thema | Vielfalt! Vom Leben mit wechselnden Stimmungen und dem Wandel des Geschlechts | 6 Leben als Achterbahn: Wie man mit einer bipolaren Störung zurechtkommt | 10 Transgender: Der lange Weg zum richtigen Körper | 16 Arm und Reich: Wir sprechen mit Studenten, Angestellten und Millionären über Geld | 22 Gegen Ausgrenzung: Die Journalistin und Autorin Carolin Emcke im Gespräch |  Schreibwerkstatt | 5 Käufer und Verkäufer | 24 Aufgelesen: BISS-Verkäufer erzählen, was sie bewegt | Rubriken | 3 Editorial | 26 Patenuhren | 27 Freunde und Gönner | 30 Impressum, Mein Projekt | 31 Adressen
 
 
 
 

Meine Zeit in Portugal

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT
Von Vladimir Odeljan
In der Abtei Sankt Bonifaz gibt es eine Obdachlosenhilfe und Essensausgabe. Dort habe ich vor etwa vier Jahren Sarah aus Saarbrücken getroffen. Sie war Vegetarierin so wie ich damals auch. So sind wir ins Gespräch gekommen. Sarah hat mir erzählt, dass sie mit ihrem Freund etwas aufbaut in Portugal, eine Ziegenfarm, um Bio käse zu machen. Und ich war ohne Arbeit, ohne Wohnung und dachte gleich: Das ist etwas für mich! Sarah fragte, ob ich fahren will. Sie gab mir ein Ticket für den Bus. Sie selbst trampte bis Portugal, ganz schön verrückt. Die Farm lag in der Mitte von Portugal, in Seia. Ihr Freund holte mich an der Busstation ab. Als er die Tür seines Autos aufmachte, kam ein riesiger Rottweiler herausgesprungen. Na schön, dachte ich, das wird spannend. Auf der Farm wartete schon ein Zelt für mich, und ich konnte es aufbauen, wo ich wollte. Sarah und ihr Freund wohnten in einem alten Militärwagen. Am nächsten Morgen war die erste Arbeit, die Ziegen zu füttern. Dann sollten die Hunde Essen bekommen. Und dann war da noch ein Esel, ich musste ihm Wasser bringen. Eines Morgens hatte er den Strick durchgebissen und unsere Orangen und Kürbisse gefressen. Wir waren Vegetarier, sogenannte Eco­Zone, keine Zigaretten, kein Alkohol. Es gab eine Solaranlage, wir hatten also ein bisschen Strom. Wir verstanden uns gut, jeden Morgen verteilten wir die Arbeit. Tagsüber waren es 40 Grad im Schatten, wir fingen darum um drei Uhr in der Früh an, arbeiteten bis Mittag, dann kam Siesta. Wir bauten einen Stall, einen Schuppen, eine Küche aus Holz und einen Garten. Ein Jahr war ich auf der Farm, dann mussten wir aufgeben. Die portugiesischen Behörden machten uns Probleme, wir konnten den Käse nicht verkaufen, bekamen keine Baugenehmigungen für neue Ställe, und wir konnten nur wenig Portugiesisch. Also landete ich wieder in München, ohne Arbeit, ohne Wohnung. Nach ein paar Monaten traf ich Sarah wieder. Sie sagte zu mir: Geh zur BISS, die helfen dir. Das hat geklappt. Jetzt bin ich bei BISS. Ich würde gern zurück nach Portugal gehen. Aber nicht mehr zum Arbeiten, sondern nur noch als Tourist.

BISS-Ausgabe Februar 2017 | Spieltrieb

Cover des BISS-Magazins Februar 2017
Cover des BISS-Magazins Februar 2017

Thema | Spielen und verspielen! Die einen spielen sich um Haus und Hof, andere spielen Lebensgeschichten, und für echte Fans ist der Spielverein wie eine zweite Familie | 6 Glücksspielsucht: Wenn der Spaß am Spiel in den finanziellen Ruin führt| 12 Fußballfan: Wenn der Verein zum  Lebensinhalt wird | 18 Brigitte Hobmeier Im Gespräch über den Film  „Ein Teil von uns“ | 22 Déjà-vu durch Donald Trump: Erfahrungen mit  Republikanern in Chicago |  Schreibwerkstatt | 5 Käufer und Verkäufer | 24 Aufgelesen: BISS-Verkäufer erzählen, was sie bewegt | Rubriken | 3 Editorial | 26 Patenuhren | 27 Freunde und Gönner | 30 Impressum, Mein Projekt| 31 Adressen
 
 
 
 

Skipiste

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT
Von Wolfgang Räuschl
Meine Kindheit im Winter war immer ein tolles Erlebnis, da es vor unserem Haus immer sehr viel Schnee gab und die Winter richtig hart waren. Noch bevor ich in die erste Klasse kam, konnte ich schon etwas Skifahren, und wir Dorfkinder freuten uns auch sehr darauf. In Österreich sagt man, dass Skifahren noch vor der Schule kommt, und man lernte es noch vor dem Lesen und Schreiben; und das ist auch wahr. Später durften wir auch immer wieder an Schulskirennen teilnehmen und hatten auch immer wieder Siegläufer dabei. Als Jugendliche durften wir dann allein mit dem Skilift und auch in der Gruppe Ski fahren. Es war eine schöne Zeit: keine Touristen, kein Anstellen am Lift, und das ein oder andere Mal kehrten wir auch in einer Hütte ein, die meinem Onkel gehörte. Wir waren meist fünf bis sechs Jugendliche und genossen so die kalten Wintertage auf der Skipiste, und das Schönste daran war der „Einkehrschwung“. Es war noch die gute alte Zeit, wo es auf manchen Hütten noch keinen Strom gab und wir teilweise auch noch alles vom Tal bergauf mitnehmen mussten. Ein offener Kamin, ein kleines Feuer, über dem der Teekessel hing, und wir machten es uns gemütlich bis spät am Abend, um dann mit Fackeln ins Tal zu fahren. Leider hatten wir auch mal einen riesigen Schneesturm, sodass wir übernachten mussten auf der Hütte, aber es gab ja genug „Jagatee“, sodass wir einige Stunden schlafen konnten und erst in der Früh munter wurden. Heute ist das alles anders, in der Welt von Schicki micki, Pistenpromis und Skihaserl: alle paar hundert Meter ein moderner Skilift und beheizbare Gondeln, ab dem Vormittag schon Ballermann­Musik, Champagner aus der Flasche, und das alles für ein wildes Partyvolk hoch oben in den Bergen. Überall nur noch die Schneekanonen, alles muss schnell gehen, denn die Touristen haben ja keine Zeit mehr, da sie alle Hütten besuchen müssen. Das liebe Geld spielt natürlich auch eine große Rolle, denn ein paar schöne Skitage in Österreich kosten sehr viel Geld. Auch das Problem mit den Lawinen wird immer ernster, weil halt die Versuchung, auf der abgesperrten Strecke zu fahren, zu Leichtsinn führt. Heute bin ich froh, nicht mehr Ski zu fahren, weil ich Angst vor Unfällen habe. Und so denke ich heute an so manchen kalten Wintertag zurück und eine schöne Zeit, wo das Skifahren noch Spaß machte. Manchmal träume ich noch vom selbst gemachten Jagatee und von Schmalzbrot und so manchem Schneesturm, bei dem wir es uns in der Hütte gemütlich machten. In diesem Sinne ein verletzungsfreies Skifahren und ein großes „Ski heil“ an alle Pistenfreunde.