BISS-Ausgabe November 2017 | Leben und Sterben

Thema | Leben und Sterben: Das Thema „Tod“ löst bei vielen Menschen Unbehagen und sogar Angst aus. Doch das Leben mit dem Tod kann auch eine Bereicherung sein | 6 Nicht nur Trauer: Christoph Lindenmeyer im Gespräch mit dem ehrenamtlichen Hospizhelfer Theodor Kilgert | 10 Leben mit dem Sterben: Geschwister von todkranken Kindern fotografieren | 16 Späte Trennung: Über Paare, die sich im Alter trennen | 20 Reise nach Rumänien: Mit zwei BISSVerkäufern unterwegs in ihre Heimat | 25 „L’Itinéraire“: Zu Besuch bei der Montrealer Straßenzeitung | 24 Rückblick – Ausblick: BISS in Zahlen, Daten, Fakten | Schreibwerkstatt | 5 Was uns verbindet | 26 Aufgelesen: BISS-Verkäufer erzählen, was sie bewegt | Rubriken | 3 Editorial | 29 Freunde und Gönner | 28 Patenuhren | 30 Impressum, Mein Projekt | 31 Adressen

Was uns verbindet

IN DER NEUEN BISS-KOLUMNE KOMMEN MENSCHEN ZU WORT, DIE IHR INTERESSE AN EINEM THEMA, AN EINEM PROJEKT ODER DIE EINE PERSÖNLICHE ERFAHRUNG VERBINDET. IN DER BEGEGNUNG ZEIGT SICH, DASS MENSCHEN TROTZ UNTERSCHIEDLICHER LEBENSLAGEN, ÜBERZEUGUNGEN UND PERSÖNLICHKEITEN IMMER AUCH ETWAS GEMEINSAM HABEN

MARKUS WISMAYER, 41, INHABER VON „HERR WISMAYER FÜR BLUMEN“ …
… UND BARBARA HÄUSSLER, 55, ÄRZTIN

DAS BISS-GRAB AM OSTBAHNHOF

BARBARA HÄUSSLER: Wie die Geburt gehört der Tod zum Leben. Als meine Eltern starben, habe ich erlebt, wie es mir in meiner Trauer geholfen hat, sie würdig zu verabschieden. Das Ritual der Beerdigung ist dabei sehr wichtig. Auch das Grab als realer Ort, wo ich sie besuchen kann.

MARKUS WISMAYER: Ein Grab ist die letzte Ehre, die wir einem Menschen erweisen. Ich habe einen Blumenladen in Untergiesing, wir machen Sträuße und Brautschmuck, aber wir betreuen auch Gräber. Ich mache das gerne, denn jedes Grab sollte hübsch aussehen, das hat einfach mit Respekt zu tun.

BARBARA HÄUSSLER: Mein Mann und ich sind seit vielen Jahren BISS-Leser. Der Plan, ein eigenes BISS-Grab einzurichten, hat mich spontan angesprochen. Deshalb wollte ich es unterstützen, und wir beide tun das bis heute.

MARKUS WISMAYER: Wir betreuen auch das Grab von Rudolph Moshammer, da passt es gut zusammen, dass wir auch das BISS-Grab pflegen. Die beiden Gräber sind für mich aber gleichwertig. Egal wie viel jemand im Leben hatte, soll sein Grab so schön sein wie jedes andere.

BARBARA HÄUSSLER: Die Bepflanzung des Grabes gefällt mir sehr gut. Ich fände es schrecklich, wenn es verwahrlost wäre. Das würde signalisieren, dass uns die Menschen gleichgültig sind. Niemand sollte uns gleichgültig sein. Denn die Würde jedes Menschen hört nicht auf mit seinem Tod.

Protokoll CHRISTOPH GURK

Reise nach Rumänien

Einige unserer BISS-Verkäufer kommen aus Rumänien. Unser Sozialarbeiter Johannes Denninger hat zwei von ihnen auf ihrer Heimreise in den Sommerurlaub begleitet

Text & Fotos HANS ALBRECHT LUSZNAT

Es ist der 2. August um 17.30 Uhr, dritter Ferientag und Hauptreisezeit in Bayern. Unter den 48 Fahrgästen sind wir die einzigen Deutschen. Rumänien gehört nicht zu den angesagten Reisezielen der Saison, und die 46 Mitreisenden, die am Münchner Busbahnhof den Mercedesbus von Eurolines nach Bukarest besteigen, sind allesamt Heimkehrer, die in Bayern arbeiten und nun für die Sommerferien nach Hause fahren. So auch unsere zwei fest angestellten BISS-Verkäufer Dan Aranghel und Ion Plesa, die den arbeitsfreien Monat nutzen wollen, um dringende persönliche Geschäfte in ihrem Heimatland zu tätigen. Busreisen sind eine günstige Verbindungsform, und wer mit dem Auto durch Europa fährt und nur die Gebühren für Autobahn und Vignetten zusammenzählt, weiß die 65 Euro zu schätzen, die der Bus bis Sibiu, früher Hermannstadt, kostet. 22 Stunden im Sitzen, 51 Zentimeter für Sitz und Knie, das ist nicht unbedingt komfortabel, aber dann doch weniger schlimm als erwartet. Alle drei Stunden gibt es 20 Minuten Pause an einer Raststätte.

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München ist meine Familie

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT

von Tibor Adamec

Am 1. August bin ich 80 Jahre alt geworden. Im Rahmen dieses Geburtstags gab es eine Feier für mich von der BISS- Redaktion an meinem Standplatz am Marienplatz ­Untergeschoss. Es waren die BISS-Redaktion anwesend, Vertreter von Zeitungen und Fernsehen und sogar auch der Landesbischof Dr. Heinrich Bedford­-Strohm. Ich kannte ihn von einem vorherigen Besuch, und damals sagte er mir, dass er unbedingt zu meinem Geburtstag kommen wolle. Und tatsächlich: Er kam. Ich war natürlich sehr überrascht. Dass eine so hohe Persönlichkeit mir die Ehre erwiesen hat, bei meinem Geburtstag zu erscheinen, so etwas ist mir noch nie passiert in meinem Leben. Es waren auch zwei Musiker dabei, einer mit Gitarre und einer mit Geige, sie spielten slowakische und ungarische Volksmusik aus meiner alten Heimat. Ich durfte mir ein Lied wünschen, und Landesbischof Bedford­-Strohm hat sich sogar die Geige geben lassen und mir auch ein Ständchen gespielt. Auch in den Tagen und Wochen nach meinem Geburtstag wurde mir noch tagtäglich zu meinem Geburtstag gratuliert, von Kunden, von Bekannten und von Menschen, die mich kennen, weil sie jeden Tag an meinem Standplatz vorbeikommen. Ich habe auch viele Geschenke bekommen, es gab Süßigkeiten, Getränke, Blumen und eine Torte, aber am meisten habe ich mich über die Zuwendung der Leute und ihre Aufmerksamkeit gefreut. Meine Position als BISS-Verkäufer ist in der Gesellschaft nicht so hoch, darum war es ein tolles Gefühl, so geehrt zu werden. Als ich 1993 angefangen habe, die BISS zu verkaufen, war ich einer der ersten Verkäufer überhaupt, und heute gehöre ich zu den Dienstältesten. Es gibt Kunden, die schon seit Jahrzehnten bei mir die BISS kaufen, so sind viele Freundschaften entstanden. Ich bin ein Einzelkind, und meine Eltern sind schon lange tot, ich habe keine Verwandten mehr und keine Familie in München. Darum freut es mich so sehr, dass ich so viele Glückwünsche bekommen habe. Diese Zuwendung ist ein Balsam für die Seele, und dafür möchte ich mich vielmals und herzlich bedanken.