BISS-Ausgabe Dezember 2017 | Schenken

Cover des BISS-Magazins Dezember 2017

Thema | Schenken: Es gibt viele Formen des Gebens und Nehmens – jenseits des Konsumtrubels| 6 Vom Glück, eine Chance zu bekommen Ershad Rezaie Moor aus Afghanistan | 10 Auslandsadoptionen Die Rettung für manche Kinder, ein Geschenk für die Eltern | 16 Junge Pflegende Im Gespräch mit jungen Menschen, die ihre Angehörigen pflegen | 20 Alle Jahre wieder … Psychologe Dr. Markus Schaer über Weihnachtskonflikte und ihre Lösungen | 24 Eine Patenuhr für … Die angestellten BISS-Verkäufer suchen ihre Paten für 2018 | Schreibwerkstatt | 5 Was uns verbindet | 22 Aufgelesen: BISS-Verkäufer erzählen, was sie bewegt | Rubriken | 3 Editorial | 29 Freunde und Gönner | 30 Impressum, Mein Projekt | 31 Adressen

 

 

 

Was uns verbindet

IN DER NEUEN BISS-KOLUMNE KOMMEN MENSCHEN ZU WORT, DIE EINE PERSÖNLICHE ERFAHRUNG ODER IHR INTERESSE AN EINEM THEMA ODER PROJEKT VERBINDET. IN DER BEGEGNUNG ZEIGT SICH, DASS MENSCHEN TROTZ UNTERSCHIEDLICHER LEBENSLAGEN, ÜBERZEUGUNGEN UND PERSÖNLICHKEITEN IMMER AUCH ETWAS GEMEINSAM HABEN SOLOMON VANTU, 31, BISS-VERKÄUFER AM GOETHEPLATZ … UND VINKO RUBIC, 66, RENTNER

SCHÖNER WOHNEN

SOLOMON VANTU: Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen: Über die BISS habe ich eine Wohnung bekommen. Als ich das erste Mal die Tür aufmachte, konnte ich mein Glück nicht fassen. Alles war so schön und frisch renoviert von Herrn Rubic!

VINKO RUBIC: Ich habe in meinem Leben schon viele Sachen gemacht, ich war Maurer, Bodenleger und Monteur. Vor einem Jahr bin ich in Rente
gegangen. Über meine Tochter hatte ich Kontakt zur BISS. Als sie fragten, ob ich eine Wohnung renovieren könnte, habe ich natürlich sofort zugesagt.

VANTU: Ich komme aus Rumänien, in Deutschland war ich erst Möbelpacker, dann bei einem Paketdienst, das waren schlechte Jobs, zum Glück habe ich die BISS gefunden. Ich mag das Verkaufen, aber München ist teuer, und mein Geld reichte nie für eine eigene Wohnung. So habe ich auf der Straße geschlafen, im Sommer wie im Winter. Das war eine harte Zeit.

RUBIC: Als ich in den 70erJahren von Dalmatien nach München gekommen bin, war Deutschland noch ein anderes Land. Heute wird der Unterschied zwischen Arm und Reich immer größer. Es war viel Arbeit, die Wohnung für die BISS zu renovieren, aber ich habe das gern gemacht, nicht nur wegen dem Geld, sondern weil ich gern helfe.

VANTU: In der ersten Nacht konnte ich vor Aufregung nicht schlafen, heute freue ich mich jeden Tag, wenn ich nach Hause komme. Nur einen Traum habe ich noch: dass meine beiden Töchter an Weihnachten zu Besuch kommen. Dann feiern wir – in meiner eigenen Wohnung.

Protokoll CHRISTOPH GURK

„Ich komme zu dir Deutschland“

 

Von   CHRISTOPH LINDENMEYER
Foto  DANIEL DELANG

WAS HÄTTE DAS FÜR EIN LEBEN SEIN KÖNNEN?
Der Vater ein reisender Geschäftsmann, der im ganzen Land Geschirr verkauft. Er importiert es aus dem Iran. Die Mutter eine Schneiderin. Das Einkommen reicht gerade aus, um der Tochter und den drei Söhnen die Ausbildung in Schule und Universität zu finanzieren. Die Familie gehört der schiitischen Minderheit im Land an, in der Nähe gibt es keine Moschee für sie. Die Stadt gilt als die zweitgrößte des Landes, ihr Name gilt auch dem Umland: Herat. 1,9 Millionen Menschen leben hier, die Stadt zählt 477.500 Einwohner. Die Winter sind milder als anderswo in Afghanistan, fünf bis zehn Grad, und im Sommer steht das Thermometer auf 30 Grad. Ach nein, die Zahlen stimmen nicht mehr, nur die Temperaturgrade sind korrekt. Denn die Lebensplanungen haben sich geändert: „Wenn du dich nicht sicher fühlst, wenn dein Leben in Gefahr ist, wenn Hunderte und Tausende durch Terror­ und Bombenanschläge getötet werden: Da will niemand bleiben!“, sagt Ershad Rezaie. „Da kann niemand bleiben!“, antworte ich. Ershad Rezaie Moor ist 23 Jahre alt. Seine Biografie ist durch mehr Hoffnungen und Ängste, glückliche Erfahrungen und Enttäuschungen, Mut und Ohnmacht geprägt als die Gleichaltriger. Denn Ershad stammt aus Afghanistan. Und dort konnte er nicht bleiben.

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Zeit

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT

von Wolfgang „Butzi“ Kurz

Zeit, was ist das? Man kennt sie von der Uhr. Die Stunden und Minuten gehen manchmal so schnell vorbei wie Sekunden. Bei mir ist es jedenfalls so. Auch das Gegenteil kann vorkommen. Stunden und Minuten wollen dann nicht vergehen, man meint, es seien Monate oder Jahre. Ich bin römisch­katholisch und mit meinen Glaubensbrüdern- und ­schwestern warte ich auf die Erlösung. Doch der Christus ist noch nicht wiedergekommen und das lange Warten ist kaum zu ertragen, die Erde ist oft die Hölle, Menschen sterben und es wird getrauert. Dennoch lebe ich gern und wenn ich daran denke, wie viel Zeit mir noch bleibt, bekomme ich Angstzustände. Was also ist Zeit?