Viele Familien in München haben zu wenig Platz in ihrer Wohnung. Besonders schwierig ist die Situation für Familien mit vielen Kindern. Große und bezahlbare Wohnungen sind schwer zu finden. Und es gibt zu wenige Sozialwohnungen. Es gibt lange Wartezeiten für die Wohnungen, besonders für große Wohnungen. Manche Familien warten bis zu 12 Jahre auf eine Wohnung.
Alexandra Gaßmann ist CSU-Stadträtin und Landesvorsitzende des Vereins KINDERreich in Bayern e.V. Sie setzt sich für die Interessen von kinderreichen Familien (ab drei Kindern) und Großfamilien (ab fünf Kindern) ein. Sie hat Kontakt zu den Familien und kennt ihre Probleme. Sie ist empört und sagt:
„Es heißt immer: Gleiche Bildungschancen für alle. Aber Kinder aus großen Familien können in einer zu kleinen Wohnung oft nicht in Ruhe lernen.“
Ein Beispiel ist die Familie von Dalibor aus Bosnien. Dalibor baut beruflich Küchen ein. Seine Frau konnte nach der Schwangerschaft nicht mehr in ihrem früheren Beruf arbeiten. Deshalb muss das Einkommen von Dalibor für die Familie und die Miete reichen. Sie haben vier Kinder und wohnen in einer 2-Zimmer-Wohnung. Dalibor schläft auf einem Schlafsofa im Wohnzimmer. Seine Frau schläft bei den Kindern im Schlafzimmer. Das jüngste Kind ist noch ein Baby. Die beiden älteren Töchter sind in der Pubertät und haben kaum einen Platz für sich. Wenn sie Hausaufgaben machen, gibt es oft Streit.
Kinder brauchen genug Platz zum Lernen und für ihre Entwicklung. Wer sich ein Zimmer mit mehreren Menschen teilen muss, hat wenig Ruhe. Auch mit Hobbys ist es dann schwieriger. Ein Musikinstrument kann man kaum spielen, wenn andere im gleichen Zimmer schlafen oder lernen.
Manche Kinder müssen im Hausflur auf der Treppe lernen. Diese Kinder haben oft schlechtere Chancen, einen guten Schulabschluss zu machen.
In München wird es immer schwieriger, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Die Mieten sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Besonders Menschen mit wenig Geld haben es schwer, denn es gibt auch zu wenige Sozialwohnungen.
Vor etwa 30 Jahren gab es in München etwa 98.000 Sozialwohnungen. Heute gibt es nur noch etwa 48.500, also etwa die Hälfte.
Dafür gibt es mehrere Gründe: Es werden weniger Wohnungen gebaut, weil die Grundstücke und das Bauen teurer geworden sind. Und viele Sozialwohnungen haben nach 20 bis 30 Jahren keine Mietpreisbindung mehr. Das bedeutet, dass sie dann teurer vermietet werden dürfen.
Im Jahr 2013 wurden rund 33.000 GBW-Wohnungen verkauft. Damals war Markus Söder bayerischer Finanzminister. Er war am Verkauf beteiligt. Die Wohnungen wurden an private Käufer verkauft. Dadurch wurden die Mieten für viele Mieter*innen zu teuer. Heute kauft die Stadt München einen Teil dieser Wohnungen zurück. Dafür muss sie teilweise dreimal so viel bezahlen. Dieses Geld fehlt dann für den Bau von neuen Wohnungen.
Der Freistaat Bayern gibt auch weniger Geld für den sozialen Wohnungsbau. Früher waren es bis zu 120 Millionen Euro, im letzten Jahr nur noch 25 Millionen Euro.
Je größer eine Familie ist, desto schwieriger ist es, eine passende Wohnung zu bekommen. Große Sozialwohnungen gibt es nur wenige. Und zuerst bekommen Menschen eine Wohnung, die gar keine Wohnung haben oder ihre alte Wohnung verlieren.
Alexandra Gaßmann kennt diese Probleme auch aus eigener Erfahrung. Sie hat neun Kinder. Ihre Familie hat auch viele Jahre auf engem Raum gelebt. Sie setzt sich deshalb dafür ein, dass große Familien mehr Platz zum Wohnen bekommen.
Was könnte man in München tun, um mehr Sozialwohnungen für Großfamilien zu schaffen?
Eine Idee von Alexandra Gaßmann sind kleinere Wohnungen, die man zu einer großen Wohnung zusammenlegen kann. Wenn die Kinder später ausziehen, können die Wohnungen wieder getrennt werden. Eine andere Möglichkeit ist ein Wohnungstausch, wie es die Münchner Wohnen GmbH schon macht. Ältere Menschen ziehen aus ihrer großen Wohnung in eine kleinere Wohnung. Die größere Wohnung kann dann eine Familie bekommen, die mehr Platz braucht.
Welche Lösungen gibt es, wenn eine Familie wenig Platz hat?
Alexandra Gaßmann sagt: „Großfamilien sind sehr erfindungsreich. Zum Beispiel hat man Stockbetten und Trenn-Wände. Manche Eltern schlafen sogar in der Küche. Sie haben dort ein Sofa, das sie abends ausklappen.“ Große Familien brauchen außerdem viel Platz für Dinge aus dem Alltag. Dazu gehören Schulranzen, Kleidung und Brotdosen. Deshalb nutzen sie Wandschränke oder stapeln Kisten. So sparen sie Platz. Alexandra Gaßmann sagt: „Ich kann stapeln, bis nichts mehr geht!“
Für die Familie von Dalibor gibt es am Ende eine gute Nachricht. Nach fast fünf Jahren Wartezeit bekommt die Familie eine größere Wohnung. Dalibor lächelt, als er erzählt: „Ich habe endlich wieder ein eigenes Zimmer!“
Original-Text von Anja Schauberger
Zusammenfassung in Einfacher Sprache von Verena Reinhard, www.einfachverstehen.de