Die BISS-WG

Foto: BR

Über 8000 Menschen in München haben kein festes Zuhause, mehr als 550 leben auf der Straße. Die BISS-Stiftung wollte ein Zeichen setzen. Sie errichtete eine Wohnung für drei Obdachlose.

https://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/mehrwert/index.html

BISS-Ausgabe Februar 2018 | Aussortiert?

Cover des BISS-Magazins Februar 2018

Thema | Aussortiert oder integriert? Eine Behinderung, schwere Erkrankung oder Arbeitslosigkeit können dazu führen, dass eine Teilhabe an unserer Gesellschaft schwierig wird. Es kann aber auch anders gehen | 6 Toiletten für alle: Das Grundrecht auf ein stilles, sauberes Örtchen | 10 Spätes Outing Homosexuelle Väter und Mütter | 14 Leben mit MS: Daniel Wildt erzählt von seinem Leben mit der Krankheit | Schreibwerkstatt | 5 Was uns verbindet | 24 Aufgelesen: BISS-Verkäufer erzählen, was sie bewegt | Rubriken | 3 Editorial | 26 Patenuhren | 27 Freunde und Gönner | 30 Impressum, Mein Projekt | 31 Adressen

 

 

 

Was uns verbindet

IN DER BISS-KOLUMNE KOMMEN MENSCHEN ZU WORT, DIE EINE PERSÖN LICHE ERFAHRUNG ODER IHR INTERESSE AN EINEM THEMA ODER PROJEKT VERBINDET. IN DER BEGEGNUNG ZEIGT SICH, DASS MENSCHEN TROTZ UNTERSCHIEDLICHER LEBENSLAGEN, ÜBERZEUGUNGEN UND PERSÖNLICHKEITEN IMMER AUCH ETWAS GEMEINSAM HABEN. UWE HINSCHE, 62, BISS-INNENDIENST UND VERTRIEBSASSISTENT, KOMMT AUF WUNSCH IN FIRMEN UND SCHULEN UND ERZÄHLT AUS SEINEM LEBEN

Protokoll: Christoph Gurk

Foto: Barbara Donaubauer

 

DIE LEBERKÄS-SEMMEL

UWE HINSCHE: Qualität ist mir wichtig, vielleicht, weil ich selbst ein Handwerk gelernt habe. Ich bin im Heim aufgewachsen, es gab strenge Regeln und Schläge, aber immerhin hat mir die Leiterin eine Lehre beim Schreiner verschafft.

IGNAZ VOGL: Schule mochte ich nicht und meine Eltern hatten eine Metzgerei, so hab ich auch Metzger gelernt. Nach der Lehre hab ich in verschiedenen Metzgereien gearbeitet, auch in einer bayerischen Metzgerei in Togo. Weißwürste und Leberkäs am Äquator. Eine tolle Zeit.

UH: Ich war schon immer sportlich. Tagsüber war ich in der Schreinerei, danach beim Training. Irgendwann meinte meine Frau: Entweder dein Kind und ich – oder der Sport. Also hörte ich auf zu trainieren – und fing das Saufen an.

IV: Als ich das Geschäft meiner Eltern übernommen habe, gab es im Viertel über ein Dutzend Metzgereien. Dann wurden die Wohnungen immer teurer und der Geruch von Leberkäs hat auf einmal gestört. Viele Metzger mussten schließen.

UH: Meine Frau wollte die Scheidung. Der Richter verbot mir, unsere Wohnung zu betreten. Ich wurde obdachlos und soff weiter, 13 Jahre lang. 1992 kam ich zur BISS als einer der ersten Mitarbeiter. Die erste Wohnung war um die Ecke von der Metzgerei Vogl.

IV: Uwe ist natürlich ein Glücksfall! Der hat immer Hunger und kommt jeden Tag für seine Leberkässemmel und zum Ratschen.

UH: Bei Ignaz und mir stimmt die Wellenlänge. Und dann ist da noch die Leberkässemmel: Zu der braucht man keinen Senf, so gut ist die. Qualität ist eben einfach wichtig.

Aussortiert?

In München sortieren und recyclen soziale Betriebe wie Anderwerk Elektroschrott. Das Programm bietet 180 Langzeitarbeitslosen Beschäftigung und trägt zur Müllvermeidung bei. 2019 könnte das Projekt eingestellt werden, die Beschäftigten würden ihren  Arbeitsplatz verlieren –  eine Folge komplizierter Verkettungen im Müllgeschäft

Text LINUS FREYMARK
Foto TANJA KERNWEISS

Wenn die Container kommen, weiß Peter Kaufmann genau, was zu tun ist. Gemeinsam mit seinen Kollegen entlädt er die orangen Behälter, die direkt von den Wertstoffhöfen in und um München angeliefert werden, und bringt den gelieferten Elektroschrott in die große Halle. Dort wird zunächst sortiert: Flachbildschirme hierhin, Röhrenfernseher dorthin. An allen Geräten werden die Kabel abgezwickt, anschließend werden sie in ihre Einzelteile zerlegt. Es ist eine aufwendige Arbeit. Sieben Container schaffen Kaufmann und seine 35 Kollegen pro Woche. Sieben Container, das sind zwischen 30 und 40 Tonnen Elektroschrott, die jede Woche in Feldkirchen aufbereitet werden. Kaufmann ist seit zehn Jahren bei der Lernstatt Recycling. Der Betrieb bietet Beschäftigungsmaß nahmen für Langzeitarbeitslose, die zwar vergütet werden, in erster Linie jedoch dabei helfen sollen, den Alltag zu strukturieren und die durch die Arbeitslosigkeit hervorgerufene Perspektivlosigkeit zu lindern. 1,50 Euro erhält Kaufmann pro Stunde; bei einer Arbeitswoche von 30 Stunden macht das 45 Euro pro Woche, etwa 180 Euro im Monat. Für Kaufmann, der Arbeitslosengeld II bezieht, ist diese sogenannte Mehraufwandsentschädigung eine wichtige finanzielle Entlastung. Träger der Lernstatt Recycling in Feldkirchen ist die Anderwerk GmbH, eine Tochtereinrichtung der AWO München. Mitte der 80er-Jahre gegründet, bildet der soziale Betrieb benachteiligte Jugendliche, Menschen mit Behinderung und Langzeitarbeitslose aus und weiter, bietet Deutschkurse für Flüchtlinge an und beschäftigt Menschen, die auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur geringe Chancen auf einen Job haben. Der Betrieb hat sich auf die Entsorgung von Elektroaltgeräten spezialisiert, sprich Fernseher und Computer. „Hierbei sind wir Dienstleister für ein kommerzielles Entsorgungsunternehmen“, erklärt Uwe Schürch, der Betriebsleiter in Feldkirchen. Anderwerk schließt seine Verträge also nicht direkt mit dem städtischen Abfallwirtschaftsbetrieb, kurz AWM, ab. Vielmehr profitiert der Betrieb von einer Nische der komplizierten Entsorgungsbranche, die durch eine Kooperation des AWM mit privaten Entsorgern entsteht. Der AWM schreibt den Entsorgungsauftrag für Elektroschrott in regelmäßigen Abständen öffentlich aus. Darauf bewerben sich kommerzielle Entsorgungsunternehmen, die, erhalten sie den Zuschlag, vertraglich zu einer Zusammenarbeit mit den vier im Recyclingbereich aktiven Sozialbetrieben verpflichtet sind.

Lesen Sie weiter bei »Aussortiert?«…

Umzug

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT

von Ernst Köppel

Meine lieben Kundinnen und Kunden, wie Sie wissen, wollte ich ja nach sieben Jahren den Stachus verlassen, weil es mir an meinem Platz zu laut, dreckig und zu kalt geworden ist. Jetzt hat sich eine neue Situation ergeben: Der Marco Veneruso, einer unserer Verkäufer im Rollstuhl, hat aufgehört und ich darf jetzt an seinem Platz verkaufen. Deshalb werde ich von nun an vermehrt an meinem neuen Platz am Vinzenzmurr stehen. Falls Sie mich suchen sollten, wird Toni, der neue Verkäufer an meinem alten Platz, Ihnen gern sagen, wo ich stecke. Ich hoffe, dass Sie mir weiter treu bleiben. Mal sehen, ob ich auf dem neuen Platz genauso viel erlebe wie vor der Stadtsparkasse! Ein kleiner Tapetenwechsel innerhalb des Stachus tut jedenfalls gut. Und Gott sei Dank muss ich auch an meinem neuen Platz nicht draußen stehen. Wenn ich mich eingearbeitet habe, werde ich wieder mehr Artikel schreiben. Viele von Ihnen hatten mich darum gebeten. Jetzt gilt es erst mal, mich vor dem Vinzenzmurr zu etablieren, und ich hoffe auf einen baldigen Ratsch mit Ihnen!