BISS sucht Sozialarbeiter/in

Unser langjähriger Sozialarbeiter geht in Altersrente, daher suchen wir möglichst bald zur Nachfolge eine/n Mitarbeiter/in für Sozialarbeit für die Beratung und Begleitung unserer Verkäufer sowie die Organisation des Vertriebs in Zusammenarbeit mit Kollegen und externen Organisationen.

Hier geht´s zur Stellenanzeige: http://biss-magazin.de/v2/wp-content/uploads/2019/09/Sozialarbeit_Stellenausschreibung2019-1.pdf

BISS-Ausgabe September 2019 | Bücher auf Rädern

Cover des BISS-Magazins September 2019

Thema | Vom Lesen, Klettern und Vergessen |In München gibt es viele Orte, um Neues zu lernen und sich Unterstützung zu holen | 6 Vergessen werden: Angehörige von an Demenz Erkrankten | 1O Ich will da rauf! Inklusives Klettern in München | 14 Bibliotheken in der Stadt Ein Ort, der allen offensteht | 20 SEEWOLF-Studie Psychische Erkrankung und Obdachlosigkeit | 22 Würdigung Walter Lorenz Mit 75 Jahren ist der „Tee-Walter“ gestorben | 24 Ein Vierteljahrhundert INSP Ein Gespräch über Vergangenes und Kommendes |Schreibwerkstatt | 5 Was uns verbindet | 26 Aufgelesen: BISS-Verkäufer erzählen, was sie bewegt | Rubriken | 3 Editorial | 23 Patenuhren | 28 Freunde und Gönner | 30 Impressum & unsere Kooperationspartner | 31 Adressen

Was uns verbindet

In der BISS-Kolumne kommen Menschen zu Wort, die eine persönliche Erfahrung oder ihr Interesse an einem Thema oder Projekt verbindet. In der Begegnung zeigt sich, dass Menschen trotz unterschiedlicher Lebenslagen, Überzeugungen und Persönlichkeiten immer auch etwas gemeinsam haben

Protokoll: Christoph Gurk; Illustration: Martin Fengel; Foto: Barbara Donaubauer

Klassische Musik

WOLFGANG RÄUSCHL: Ich liebe die Oper. Das hat schon früh angefangen: Ich bin in Salzburg geboren, da kommt man an klassischer Musik nicht vorbei.

MAX WAGNER: Bei mir war das ähnlich. Als Kind habe ich abends meinem Vater heimlich beim Klavierspielen zugehört. Später habe ich selbst Klavier und Geige gelernt.

WR: Bei uns daheim gab es die Stubenmusi, zur klassischen Musik bin ich erst durch meinen Beruf gekommen: Ich habe Kellner gelernt und während der Opernfestspiele kamen die Stars immer zu uns.

Max Wagner, Chef des Gasteigs und Wolfgang Räuschl, BISS-Verkäufer

MW: Dann verbinden uns schon zwei Dinge: die Musik – und das Kellnern. So habe ich mir mein Jura- und mein Gesangsstudium finanziert. Mir hat die Arbeit immer Spaß gemacht, weil man viel über Menschen lernt.

WR: Und ich bin durch das Kellnern auch herumgekommen. Fünf Jahre war ich auf einem Schiff, Heimathafen Genua, in der freien Zeit haben wir uns Padua, Siena und Verona angeschaut. Vor ein paar Jahren war ich dann bei den Opernfestspielen.

MW: Ein tolles Erlebnis! Die Oper in Italien ist viel mehr Teil des normalen Lebens. Die Leute kennen alle Arien und die Geschichten auswendig.

WR: Seit ich die BISS verkaufe, kann ich jedes Jahr einmal nach Verona fahren und in der Arena Opern hören. Das sind meine zwei schönsten Urlaubstage. Und danach rede ich mit meinen Kunden am Gasteig darüber. Die meisten von ihnen sind schließlich ebenso musikbegeistert wie wir.

Im Teufelskreis

von Mauritius Much

Psychische Erkrankungen sind bei allein lebenden und wohnungslosen Frauen und Männern weit verbreitet: Viele werden wohnungslos, weil sie depressiv sind. Manche werden erst psychisch krank, weil sie kein eigenes Dach über dem Kopf mehr haben. Um sie zu behandeln und um die Hilfsangebote auszubauen, sind ein langer Atem und Hartnäckigkeit gefragt

Den einen wirft der Tod seiner Partnerin vollkommen aus der Bahn. Er wird antriebslos und depressiv. Er hat keine Motivation (Lust) mehr zu arbeiten, weshalb er seinen Job verliert. Daraufhin kann er seine Miete nicht mehr zahlen. Das führt schließlich dazu, dass er zwangsgeräumt wird und auf der Straße landet. Die andere findet keinen Weg raus aus ihrer Drogensucht. Alles Geld, was sie kriegen kann, steckt sie in neuen Stoff. Schulden bei der Familie, den Freunden und beim Vermieter gehen in die Tausende. Irgendwann verliert sie ihre Wohnung und ist obdachlos. Gleichzeitig entwickelt sie infolge ihrer Drogensucht eine Psychose. Solche Beispiele sind etwa in München bei Weitem kein Einzelfall. Im Gegenteil: Depressionen oder andere psychische Erkrankungen sind bei wohnungslosen Männern und Frauen weit verbreitet. Das zeigten in den vergangenen 25 Jahren zwei Studien, die die Situation in München beleuchteten: 1994 untersuchte Professor Manfred Fichter von der Psychiatrischen Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität München 146 obdachlose Männer und 37 Frauen. Sie lebten entweder auf der Straße oder in Unterkünften. Laut der Fichter-Studie litten 93,2 Prozent dieser wohnungslosen Münchner im Laufe ihres Lebens an einer psychischen Erkrankung und Sucht.

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Mein Leben auf dem Wasser

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT

von Ion Plesa

Geboren bin ich in einem kleinen Dorf im Süden von Rumänien. Von meinem siebten bis zu meinem 15. Lebensjahr war ich in einem Kinderheim. Warum genau, weiß ich nicht – aber damals haben sich meine Eltern scheiden lassen und das war wohl der Grund. In Rumänien sind acht Schulklassen Pflicht, am Ende hat man einen Abschluss, der dem Realschulabschluss hier ähnelt. Danach habe ich mir überlegt, was ich weiter machen will: Gehe ich weiter in die Schule oder lerne ich einen Beruf? Ich habe mich für einen Beruf entschieden und habe mich zum Matrosen ausbilden lassen. Bei uns in der Heimat ist ein großer Hafen, der hat mich schon als Kind fasziniert, dort haben wir mit der Schule Ausflüge hin gemacht. Es war mein Traum, dort zu arbeiten – und Gott hat mir meinen Wunsch erfüllt: Vier Jahre hat die Ausbildung gedauert, ich war auf dem Schiff, habe navigieren gelernt und danach habe ich noch zwei Jahre Praxis gesammelt. Drei Monate habe ich das gemacht, als Anfänger – und dann wurde ich schon zum Militär einberufen. Da war ich so ungefähr 21 Jahre alt. Fast zwei Jahre dauerte der Dienst beim Militär. Keine zwei Tage nach der Armee habe ich wieder als Matrose angeheuert. Ich war auf dem Schwarzen Meer unterwegs, wir sind auch die Donau entlanggefahren, bis Passau sind wir gekommen. Wir haben Waren transportiert. Über die Jahre war ich viel auch am Schwarzen Meer direkt im Einsatz, bei den Serben und den Bulgaren. Ich habe große Schiffe, die ankamen, in den Hafen geschleppt. Ich selbst habe nie daran gedacht, einfach auf einer der Reisen außerhalb von Rumänien zu bleiben, nicht einmal zu Zeiten des Ceausescu-Regimes. Aber als in Rumänien Brot und Fleisch knapp wurden, haben ein paar Kollegen mir vorgeschlagen, das zu tun. Der Plan war, nach Serbien zu fahren, dort das Benzin zu verkaufen und das Geld zu nutzen, um weiter nach Italien zu fahren. Die sind tatsächlich geblieben, ich weiß allerdings nicht, wie weit sie es geschafft haben. Ich dagegen habe mit einem Teil der restlichen Crew das Schiff zurückgebracht, das Benzin war mir zum Glück geblieben. Zum einen war mir das Geld nicht so wichtig, ich liebe mein Land und in Rumänien war ich angesehen, hatte einen Beruf, eine Sicherheit. Und ich wusste ja auch gar nicht, welche Perspektiven ich in Serbien haben würde. Zum anderen hatte ich Angst, erwischt zu werden, schon vorher in Rumänien, aber auch, wenn ich von den Serben geschnappt und zurück nach Rumänien geschickt worden wäre – das hätte drastische Konsequenzen haben können. Ich mochte die Arbeit und das Leben war schön. Aber es war einsam. Ich war viel allein und von zu Hause weg. Ich hatte zwar Kollegen, aber die Familie ist natürlich etwas anderes. Meine Mutter, mein Bruder haben mir gefehlt. Und ich fand es auch schade, selbst keine Familie zu haben. Ich hatte mehrere Gelegenheiten, zu heiraten, habe mich aber dagegen entschieden, weil das für die Frau nicht schön gewesen wäre – ich war ja immer mehrere Monate am Stück weg gewesen, schließlich dauert es, wenn man mit sieben Stundenkilometern vom Schwarzen Meer nach Passau fährt. Wenn wir dann noch Kinder gehabt hätten, hätte die Frau alles alleine machen müssen. Insgesamt habe ich 13 Jahre als Matrose gearbeitet, ungefähr bis 1998.