
Der Münchner Verein MiA bietet eine besondere Ausbildung für Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung (Menschen mit Lernschwierigkeiten) an.
MiA ist die Abkürzung für Münchner inklusive Arbeitswelt. Inklusiv bedeutet, dass Menschen mit Behinderung genauso mitmachen können wie Menschen ohne Behinderung. Menschen mit Behinderung haben die gleichen Rechte wie Menschen ohne Behinderung. Das steht in der UN-Behindertenrechtskonvention, die Deutschland im Jahr 2009 unterschrieben hat. Damit hat sich Deutschland verpflichtet, für die Teilhabe von Menschen mit Behinderung zu sorgen.
Denn Teilhabe, Mitbestimmung und Gleichberechtigung für alle Menschen – das ist Inklusion und die Grundlage einer Demokratie. Und das betrifft alle Bereiche: Arbeit und Freizeit.
Der Verein MiA möchte eine Alternative zu den Werkstätten für Menschen mit Behinderung bieten.Die MiA-Akademie bereitet Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung (Menschen mit Lernschwierigkeiten) gut darauf vor, einen Arbeitsplatz auf dem sogenannten ersten Arbeitsmarkt zu bekommen. Das bedeutet, dass sie in Betrieben wie Restaurants, Cafés oder Hotels arbeiten – gemeinsam mit Menschen ohne Behinderung.
Martina Köhne ist die Geschäftsführerin bei MiA. Sie sagt: „MiA ist aus einem Elternverein entstanden, im Jahr 2018. Wir wollten die Inklusion im Arbeitsleben voranbringen. Wir kümmern uns um den Übergang zwischen Schule und Beruf.“ Das Besondere bei MiA ist, dass es Mentoren gibt. Die Mentoren sind Begleiter und Ansprechpartner. Sie haben eine pädagogische Ausbildung. Sie begleiten die Teilnehmenden in den Betrieben. Und sie sind auch Ansprechpartner für die Betriebe. Denn jede und jeder Teilnehmende braucht etwas anderes, hat unterschiedliche Stärken und Schwächen. Gerade am Anfang ist es wichtig, jeden gut und eng zu begleiten.
Etwa 24 Teilnehmende bekommen zurzeit bei MiA die Möglichkeit, langfristig eine Arbeit zu finden. Eine Arbeit, die ihren Stärken, Wünschen und Möglichkeiten entspricht. Eine Arbeit, die sie fordert, ohne sie zu überfordern. Ein wichtiger Teil der Ausbildung sind Praktika in echten Betrieben. Dort sammeln die Teilnehmenden Erfahrungen im Arbeitsalltag. MiA arbeitet dafür mit verschiedenen Hotels und Gastronomiebetrieben zusammen. Ziel ist es, dass die Teilnehmenden nach der Ausbildung dort oder in ähnlichen Betrieben arbeiten können.
Die Ausbildung bei der MiA-Akademie besteht aus verschiedenen Teilen. Zuerst bekommen die Teilnehmenden eine Grundqualifizierung. Eine Hotelfachfrau bietet Hotel- und Serviceschulungen an. Und sie lernen in der Küche. Sie lernen wichtige Fähigkeiten, zum Beispiel wie man Lebensmittel vorbereitet und wie man den Arbeitsplatz organisiert. Auch Hygiene, Ordnung und Teamarbeit gehören dazu. Zusätzlich gibt es Unterricht und die Möglichkeit, ein IHK-Zeugnis zu bekommen. So haben die Teilnehmenden später bessere Chancen auf einen festen Arbeitsplatz.
Zum Beispiel Elisa. Sie hat Trisomie 21 und macht eine Ausbildung zur Assistentin im Hotel- und Gaststättengewerbe. Sie arbeitet in der Kantine des Landratsamts München. Dort in der Küche schneidet sie zum Beispiel Gemüse. Sie arbeitet sehr konzentriert und genau.
Mandy Joseph ist Elisas Vorgesetzte und Küchenchefin in der Kantine. Sie sagt: „Seit Februar ist Elisa da und sie macht sich super. Alles geht zwar etwas langsamer, aber Elisa ist sehr gewissenhaft. Ich sage ihr ganz genau, was sie machen soll. Wenn ich ihr zum Beispiel eine Aufgabe gebe und nach zwei Minuten will ich etwas anderes von ihr, dann geht das nicht.
Es ist wichtig, konzentriert eine Aufgabe nach der anderen zu tun statt vieles gleichzeitig. Da lerne ich was von Elisa.“
Emilia ist eine andere Teilnehmerin der MiA-Akademie. Sie arbeitet in einer Hotel-Küche. Das Salatschleudern macht ihr am meisten Spaß. Und letzte Woche hat sie einen ganzen Sack Kartoffeln geschält. Danach kam ihr Chef, um zu prüfen, ob noch Reste von Schalen dran sind. Emilia sagt stolz: „Da war nichts dran, gar nichts!“
Auch in der Küche vom Salesianum arbeiten Teilnehmende der MiA-Akademie.
Das Salesianum ist eine Einrichtung für Jugendliche. Etwa 650 Essen müssen dort täglich zubereitet werden. Der Küchenmeister Max hat vorher schon in einer Förderschule mit Menschen mit Lernbeeinträchtigung gearbeitet. Er sagt: „In unserer Großküche kann
man schon ordentlich was lernen. Denn in der Küche braucht es vor allem Routine. Und die bekommt man durchs Üben.“
Es gibt viele Hilfsmittel wie zum Beispiel Plastikschieber. Sie helfen beim klein geschnittenen Gemüse, wenn man mit den Händen nicht richtig greifen kann.
Mit der richtigen Unterstützung können Menschen mit Beeinträchtigung erfolgreich arbeiten und am gewöhnlichen Arbeitsleben teilhaben.
Tipp! MiA hat auch ein eigenes Ausbildungscafé in der Auerfeldstraße 15 in München. Das ist direkt gegenüber vom Salesianum. Es hat Dienstag, Mittwoch und Donnerstag zwischen 11 und 16 Uhr geöffnet. Die Auszubildenden servieren Frühstück und selbst gemachtes Mittagessen: www.miaev.org/cafe-mia/
Mehr Infos zur MiA-Akademie: www.miaev.org/mia-akademie
Sind Sie zwischen 18 und 28 Jahre alt? Können Sie selbstständig mit Bus, U-Bahn und S-Bahn fahren? Haben Sie die Berufsschulpflicht erfüllt?
Dann können Sie bei der MiA-Akademie teilnehmen.
Sie brauchen eine Bescheinigung von der Bundesagentur für Arbeit: darüber, dass Sie für das Eingangsverfahren und den Berufsbildungsbereich einer W/M (Werkstatt für behinderte Menschen) geeignet sind.
In der MiA-Akademie lernen Sie: Theorie und Praxis aus diesen Berufen: Hotel- und Gaststättengewerbe, Hauswirtschaft und Hausmeisterdienste,
Umgang mit anderen Menschen ( zum Beispiel Teamarbeit, Gespräche führen, Verhalten bei Konflikten), Arbeit in Partnerbetrieben auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt.
Kontakt: Münchner inklusive Arbeitswelt MiA e.V. St.-Wolfgangs-Platz 11, 81669 München, Tel. 089 32960242, E-Mail: info@miaev.org, www.miaev.org
Pädagogische Leitung: Isolde Gertig (Soz.päd.) E-Mail: isolde.gertig@miaev.org
Original-Text von Vera von Wolffersdorff
Zusammenfassung in Einfacher Sprache von Verena Reinhard, www.einfachverstehen.de



