BISS-Ausgabe September 2016 | Tierische Gefährten

Cover des BISS-Magazins September 2016

Cover des BISS-Magazins September 2016

Thema | Tierische Gefährten: Ein Heft über gute Freunde auf vier Beinen| 6 Sesshaft, den Tieren zuliebe: Mit tierischer Hilfe von der Straße | 11 Ziemlich beste Freunde: Zuerst kommt das Tier, dann… | 12 Tiergestützte Therapie: Wenn Tiere zu Brückenbauern werden| 18 Auf den Hund gekommen: Wedigo von Wedel vom H-Team im Gespräch |20 Lebensplätze: Ein Haus für ältere, ehemals obdachlose Frauen feiert Geburtstag | 22 Essen ist Heimat: Rita kocht Baccalà alla Calabrese | Schreibwerkstatt | 5 Käufer und Verkäufer | 26 Aufgelesen: BISS-Verkäufer erzählen, was sie bewegt | Rubriken | 3 Editorial | 28 Patenuhren | 29 Freunde und Gönner | 30 Impressum, Unser Projekt| 31 Adressen

 

 

 

Käufer & Verkäufer

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Gabriele Schlaugat ( links ) ( 63 ) Sozialarbeiterin

Ich glaube, Herrn Zimmermann und mich verbindet viel. Wir beide sind viel herumgekommen in der Welt. Ich stamme aus Niedersachsen und habe in Fulda Soziale Arbeit studiert. Über die Arbeit kam ich nach München. Dann starb mein Vater, und ich beschloss, radikaler zu werden; dass ich die Welt wirklich besser machen möchte, statt nur darüber zu reden. Ich habe in Hawaii gearbeitet, in England, im Sudan und in Lausanne. Mit Männern und Frauen, mit Alten und Kindern. 1995 bin ich zurückgekommen. Damals habe ich das erste Mal die BISS gesehen. So ein Heft in einer Stadt wie München? Das fand ich toll. Immer wenn ich einen Verkäufer sah, habe ich ihm eine BISS abgekauft. Dann stand eines Tages dieser junge Mann in der U-Bahn-Station, lächelnd, mit einer BISS in der Hand. Wir unterhielten uns, und so fing alles an. Heute erzählen wir uns längst auch persönliche Dinge. Und manchmal bringe ich ihm Früchte mit. Denn Obst mögen wir beide sehr gern. Wie gesagt: Ich glaube, uns verbindet sehr viel!

Aladin Zimmermann ( rechts ) ( 36 ) BISS-Verkäufer an der Fraunhoferstraße

Eigentlich könnten Frau Schlaugat und ich uns schon längst duzen. Schließlich war sie vor vier Jahren eine meiner ersten Kundinnen. Geboren bin ich in Bayern, bis zu meinem vierten Lebensjahr lebten wir aber auf Kreta. Danach zogen wir durch halb Europa und landeten schließlich in München. Mein Vater ist Goldschmied, deshalb habe auch ich eine Zeit lang als Goldschmied gearbeitet, dann war ich drei Jahre Fahrradkurier.  Als mein Mietvertrag auslief, bekam ich keine neue Wohnung. Ich landete im Wohnheim und verlor meinen Job. Eine Sozialpädagogin half mir, eine betreute WG zu finden. Die Arbeit bei der BISS macht mir Spaß. Frau Schlaugat und ich sehen uns jeden Tag. Manchmal winken wir uns, manchmal unterhalten wir uns, über Bücher, Urlaub, die Familie. Nur duzen tue ich Frau Schlaugat nie. Für mich hat das mit Respekt zu tun.

Foto: Barbara Donaubauer

Protokoll: Christoph Gurk

Mit tierischer Hilfe von der Straße

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Von MAURITIUS MUCH

Fotos  TOBY BINDER

Der Kratzbaum von Oskar und Felix ist riesig. Über mehrere Etagen windet er sich bis unter die Decke des Raumes, der Martin Berrabah als Wohn- und Esszimmer dient. Dort können sich die schwarzen Perserkatzen nach Herzenslust austoben. Heute ist das Brüderpaar aber faul. Der eine Kater schläft auf dem Schrank im Schlafzimmer, der andere liegt dösend auf dem Teppichboden unter dem Fenster. Doch der Schein trügt. Wenn die beiden elfjährigen Kater wollen, jagen sie sich durch die Wohnung oder springen auf die verschiedensten Möbel. Nicht ohne Grund hat Martin Berrabah außen an seinen Fenstern Stoffnetze befestigt – so kann er die Fenster jederzeit öffnen, die Katzen können aber nicht abhauen.

In der Wohnung, die der BISS-Verkäufer davor hatte, durften die Kater noch nach draußen. Doch dann war plötzlich einer der Brüder zwei Wochen lang verschwunden, bis er schließlich wieder auftauchte. Womöglich wäre nun eine Katze für immer weg, sollte das noch einmal passieren. Das möchte Martin Berrabah nicht erleben, deshalb das Netz vor den Fenstern. Denn zu viel hat er den Tieren zu verdanken. „Sie haben mich von der Straße geholt“, sagt er ernst, „ohne sie hätte ich keinen Grund gehabt, nach Hause zu kommen.“

Lesen Sie weiter bei »Mit tierischer Hilfe von der Straße«…

Meine Kindheit mit Tieren

EIN TEXT AUS DER SCHREIBWERKSTATT

VON

Anton „Toni“ Menacher

Ich bin in einem Dorf in der Nähe von Landshut aufgewachsen. Meine Eltern besaßen eine kleine Landwirtschaft. Wir hatten Schweine, Kühe und Hühner. Für uns Kinder war der Umgang mit Tieren darum eine Selbstverständlichkeit. Morgens wurden die Kühe auf die Weide getrieben und abends wieder zurück zum Hof. Es machte mir viel Spaß, dabei zu helfen. Es war für mich ein wunderbares Gefühl, den Kühen dabei zuzusehen, wie sie auf der Weide grasten, oder den Hühnern, wenn sie Körner pickten. Weil sie frei herumliefen, mussten wir später die Eier suchen. Eines meiner schönsten Erlebnisse war für mich die Geburt von Ferkeln. Meine Mutter half ihnen dabei, die Zitzen der Mutter zu finden. Auf unserem Bauernhof lebten auch immer Hunde und Katzen, die auch frei herumliefen und auch mal Ausflüge zu den Nachbarn machten. Das störte niemanden. Es machte mir unwahrscheinlich viel Spaß, mit den Hunden zu spielen, Stöcke zu werfen, die der Hund dann zurückbrachte. Wir hatten einen ganz lieben Mischlingshund namens Maxl, der nach dem Prinzip lebte: Wenn ich Lust habe, höre ich auf eure Befehle – wenn nicht, dann könnt ihr mich mal. Aber keiner konnte ihm lange böse sein. Als meine Großnichte etwa zwei Jahre alt war, spielten sie viel zusammen. Wenn es Maxl zu bunt wurde, lief er einfach davon und meine Nichte mit ihren kurzen Beinchen hinterher. Natürlich wusste ich, dass unsere Schweine und Hühner geschlachtet werden. Das gehörte eben einfach dazu. Aber ich hätte nie dabei zusehen können. Wenn ich heute im Fernsehen Bilder von eingepferchten Hühnern, Schweinen oder Rindern in engen Boxen sehe, kommt mir die blanke Wut. Für mich ist es eine Tierquälerei, wenn Hühner auf engstem Raum zusammengepfercht leben müssen und keinerlei Freiraum für sich haben und nur existieren, um Eier zu legen. Was wird aus der Schöpfung Gottes, wenn nur noch Profitsucht zählt? Ich selbst hatte nie eigene Haustiere, da mir einfach der Platz fehlt und die Zeit, die man für ein Tier braucht. Aber ich genieße es heute noch, im Wald spazieren zu gehen oder im Tierpark Tiere zu beobachten. Auch in der Westernstadt „Fred Rai“ konnte ich stundenlang den Pferden zusehen, wie sie frei über die Wiese galoppierten. Obwohl ich eine schwere Kindheit hatte, weil mein Vater starb, als ich zehn Jahre alt war, und wir kaum Geld hatten, war es für mich auch eine unvergessliche Zeit in der freien Natur mit den wunderbaren Geschöpfen Gottes.

 

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